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Dienstag, 26. April 2005

Theodizee...

Am Wochenende hat mir ein Freund erzählt, dass er in dieser Woche eine Rede über die Theodizee (zum Stichwort: Voltaire und das Erdbeben von Lissabon) halten soll. Er erwähnte dabei, dass es ihn nach dem Tsunami vom vergangenen Dezember immer genervt hatte, als diverse Prediger sagten: "Wir müssen jetzt ganz besonders beten!" Er meinte dazu: "Ich habe gedacht: eher im Gegenteil..." (Er selbst ist Agnostiker, aber dem katholischen Glauben durchaus freundlich gesinnt.)

Dabei, denke ich mir, hat die Theodizee-Frage im christlichen Kontext eigentlich keinen Sinn. Denn:

DER CHRISTLICHE GLAUBE IST DIE ANTWORT AUF DIE THEODIZEE-FRAGE.

Wir fragen uns ja: Wie kann Gott es zulassen, dass auf der Erde schlimme Dinge passieren? Ist Er ein schwacher Gott, sodass Er nicht eingreifen kann? Ist Er bösartig? Sind wir und die Welt Ihm vielleicht gleichgültig? Oder gibt es Ihn womöglich gar nicht?

Die Antwort, die Christus uns darauf gibt, lautet: Gott liebt die Menschen, und leidet daher unter dem Bösen in der Welt. Deshalb ist Er einer von uns geworden und hat unsere Leiden mitgetragen. Er hat alle Qualen der Menschen erlitten, sogar die schlimmste Qual: die Gottverlassenheit. Und Er ist sogar dorthin gegangen, wohin alle Menschen am Ende ihrer Leiden gelangen: in den Tod.
Doch wo alle menschliche Hoffnung aufhört, eröffnet Gott neue Hoffnung. Er zeigt uns, dass der Tod nicht das Letzte ist, sondern dass Er den Tod für uns überwunden hat.

Die Frage, ob es denn also einen guten Gott gibt oder nicht, ist damit müßig geworden. Denn Er selbst hat uns gezeigt, wie Er ist und wie Er zu uns steht. Eigentlich überraschend, dass nach dem Tsunami von Kirchenvertretern nicht diese Antwort gegeben wurde, sondern dass man eher halbherzig versucht hat, Gott zu rechtfertigen. Dabei hat Er das gar nicht nötig. Gott existiert ja nicht nur in unserem Kopf, sodass wir uns zurechtlegen können, wie wir Ihn gerne haben möchten. Er ist wirklich da als das Andere, als das Gegenüber - und was wir über Ihn wissen, wissen wir aus Seiner Offenbarung.

Übrigens: die gleichen Leute, denen es nicht passt, dass Gott zwar mitleidet, aber nicht eingreift, beginnen Ihn sofort als skrupellosen Herrscher und Diktator zu beschimpfen, sobald Er es dann doch tut.
But well: God is not exactly there to please everyone...

2 Comments:

Anonymous Anonym said...

Hmmm, ich sehe das nicht so einfach, denn du läßt die Aussage der Göttlichen Allmacht außen vor. Denn diese wird durchaus bedient, um zu fragen: er könnte es doch ändern, warum tut er es nicht? Ist das Liebe?

Ich halte es für ehrlicher, auf die Theodizee keine eindeutige Antwort zu haben. Ich habe kein rationales Argument für jemanden, der aufgrund der Theodizee nicht glaubt (denn schließlich ist Glauben ein Geschenk).

Der christliche Glaube sagt uns nicht, warum Gott das Leiden zuläßt (siehe auch Buch Hiob), sondern wie wir damit umgehen sollen. Das ist meines Erachtens auch viel wichtiger, ohne die andere Frage zu schmälern, denn die Frage nach dem Umgang mit diesem klaren Faktum des Leidens hilft uns mehr als theoretische Erwägungen.

Pax et bonum.

4/26/2005 06:38:00 PM  
Blogger Petra said...

Meiner Meinung nach geht es bei der Frage der göttlichen Allmacht vs. das Böse um das große Geschenk der Freiheit. Adam und Eva haben alles bekommen, was sie brauchten, um zufrieden zu leben. Sie haben sich aber in ihrer Freiheit trotzdem gegen Gott gewandt - mit allen Konsequenzen. Gott hätte natürlich auch eine Marionettenwelt erschaffen können. Wären wir damit zufriedener?

Zeigen Eltern, die ihr Kind einsperren, damit ihm ja nichts passiert und es ja nicht auf Abwege gerät, vielleicht ihre Liebe? Zeigen sie ihm nicht mehr dadurch ihre Liebe, wenn sie sagen: du weißt, wofür wir stehen. Wenn du dich dagegen entscheidest, ist das deine Sache, wir zwingen dich zu nichts. Du sollst aber wissen, dass wir immer für dich da sind, wenn du uns brauchst. Jesus hat also nicht zufällig von Gott als vom "Vater" gesprochen...

Natürlich ist glauben ein Geschenk. Doch dass jemand "aufgrund der Theodizee" nicht glaubt? Das sehe ich eher als Wechselbeziehung: Zweifel tauchen auf, werden aber nicht adäquat beantwortet, und so wächst und reift der Glaube nicht an den Herausforderungen, sondern kollabiert schließlich und man sagt: ich kann wegen diesem oder jenem nicht glauben. Ich finde, dies ist vor allem eine Willenssache, eine Sache der Bereitschaft, sich mit Gott auseinanderzusetzen, seinen Glauben immer wieder neu zu hinterfragen, und immer wieder nach Antworten zu suchen.

Deshalb hat auch die Theologie (und allgemein alle Christen) so eine große Verantwortung: wenn jemand im Zweifel mit lustloser Theologie konfrontiert wird, wo der Theologe mit den Schultern zuckt und meint "die Kirche sagt das zwar so, aber ich kann nicht dran glauben", dann ist dieser Theologe persönlich dafür verantwortlich, wenn der Leser sich aufgrund dessen von Gott abwendet...

4/26/2005 09:22:00 PM  

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