"Sich heranglauben", oder: Apologia pro vita sua
Mir wurde der Katholizismus nicht in die Wiege gelegt. Es geschahen halt nur irgendwann ab Sommer 2003 einige Dinge (u. a. das hier) - und plötzlich glaubte ich an Gott.
Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, weiß ich allerdings nicht genau, was das für mich damals bedeutete. Ich glaubte zwar von Anfang an so ziemlich an die Grundlagen des Christentums - aber ich hatte zunächst in manchen Bereichen Probleme, etwa mit dem Glauben an das Leben nach dem Tod. Der Grund dafür war wahrscheinlich, dass ich in der Zeit vor meiner Konversion den Glauben, dass nachher noch was kommt, als trügerischen Trost verstanden hatte, der darüber hinwegtäuschen soll, dass mit dem Tod eh alles aus ist.
In dieser Situation sagte mir mein nachmaliger Taufspender (weiß Gott kein Hardliner!): "Du musst an das Leben nach dem Tod glauben!" Obwohl es vielleicht seltsam erscheint, war das für mich sehr hilfreich. Ich legte die Frage nämlich für einige Zeit ad acta - und kam später drauf, dass ich mittlerweile wirklich an ein Leben nach dem Tod glaubte....
Ich machte also die Erfahrung, dass, je weiter man sich auf die Geheimnisse des Glaubens einlässt, einem alles desto klarer und einleuchtender erscheint. Was von außen besehen noch wie eine recht willkürliche Ansammlung von Glaubenssätzen vorkommt, von denen manche zusammenhängend erscheinen, andere aber überhaupt nicht, wurde in meinen Augen immer klarer zu einem großartigen und kohärenten Ganzen. Auch Teile, die - wie ich später erfahren sollte - manche Leute für verzichtbar halten (etwa die Jungfräuliche Geburt), machten einfach Sinn im Gesamtzusammenhang: und das Gesamte machte auch nur dann wirklich Sinn, wenn alle Elemente beisammen waren - ähnlich wie bei einem Puzzle.
Was nicht bedeutete, dass ich nicht sehr wohl nachfragte, um Erklärung und Verstehen bemüht war, wenn mir etwas unklar oder schwierig erschien. Soweit ich eben konnte, versuchte ich Geheimnisse wie jenes der Dreifaltigkeit, der Gemeinschaft der Heiligen nach dem Tod oder der Auferstehung der Toten zu verstehen. Auch wenn wir natürlich eine vollständige, allerletzte Erklärung und Beschreibung solcher Mysterien nicht geben können: einfach deswegen, weil diese Dinge so viel größer sind als wir selbst. Aber so lernte ich langsam, dass es beim Glauben schlussendlich auch auf Demut und Vertrauen - in die Kirche und die durch sie vermittelte vermittelte Offenbarung - ankommt.
Aber die Kirche vermittelt eben nicht nur die offenbarten Glaubensgeheimnisse, sondern zieht daraus (tw. ebenfalls mit Berufung auf die Offenbarung) auch Schlüsse für alle Bereiche des Lebens. Das war etwas, von dem ich zunächst dachte, mich dem entziehen zu können - da sich "ja eh niemand daran hält". "Don't ask, don't tell" - und man macht dann alles mit sich selber aus. Meine Einstellung begann sich erst langsam zu ändern, als ich die Confessiones des Hl. Augustinus las. Der nahm diese Dinge doch tatsächlich ernst... Und machte sich Sorgen, nicht nach den Vorschriften der Kirche leben zu können - um es dann durch die Gnade Gottes doch zu tun. Und komisch - bei mir kamen danach einige persönliche Erlebnisse hinzu, die immer mehr den kirchlichen Zugang nahelegten... Na ja. Gratias, Sancte Augustine!
Natürlich erfordert all das große Demut und eine intensive persönliche Auseinandersetzung mit dem Glauben und mit sich selbst. Das "hineinglauben" ist nie abgeschlossen: man muss den eigenen Glauben, den eigenen Zugang, das eigene Verhalten dauernd hinterfragen, in Beziehung stellen zu anderen Menschen, zum eigenen Umfeld, zur Kirche. Natürlich droht immer wieder die Gefahr, sich für etwas Besseres zu halten als andere, auf seinem spirituellen Weg stehen zu bleiben. Gerade deswegen ist das dauernde In-Frage-Stellen seiner selbst, seines Weges, seiner Einstellungen unverzichtbar. Sonst droht selbstzufriedene Überheblichkeit.
"Christus hat sich die Wahrheit genannt, nicht die Gewohnheit." (Tertullian)
Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, weiß ich allerdings nicht genau, was das für mich damals bedeutete. Ich glaubte zwar von Anfang an so ziemlich an die Grundlagen des Christentums - aber ich hatte zunächst in manchen Bereichen Probleme, etwa mit dem Glauben an das Leben nach dem Tod. Der Grund dafür war wahrscheinlich, dass ich in der Zeit vor meiner Konversion den Glauben, dass nachher noch was kommt, als trügerischen Trost verstanden hatte, der darüber hinwegtäuschen soll, dass mit dem Tod eh alles aus ist.
In dieser Situation sagte mir mein nachmaliger Taufspender (weiß Gott kein Hardliner!): "Du musst an das Leben nach dem Tod glauben!" Obwohl es vielleicht seltsam erscheint, war das für mich sehr hilfreich. Ich legte die Frage nämlich für einige Zeit ad acta - und kam später drauf, dass ich mittlerweile wirklich an ein Leben nach dem Tod glaubte....
Ich machte also die Erfahrung, dass, je weiter man sich auf die Geheimnisse des Glaubens einlässt, einem alles desto klarer und einleuchtender erscheint. Was von außen besehen noch wie eine recht willkürliche Ansammlung von Glaubenssätzen vorkommt, von denen manche zusammenhängend erscheinen, andere aber überhaupt nicht, wurde in meinen Augen immer klarer zu einem großartigen und kohärenten Ganzen. Auch Teile, die - wie ich später erfahren sollte - manche Leute für verzichtbar halten (etwa die Jungfräuliche Geburt), machten einfach Sinn im Gesamtzusammenhang: und das Gesamte machte auch nur dann wirklich Sinn, wenn alle Elemente beisammen waren - ähnlich wie bei einem Puzzle.
Was nicht bedeutete, dass ich nicht sehr wohl nachfragte, um Erklärung und Verstehen bemüht war, wenn mir etwas unklar oder schwierig erschien. Soweit ich eben konnte, versuchte ich Geheimnisse wie jenes der Dreifaltigkeit, der Gemeinschaft der Heiligen nach dem Tod oder der Auferstehung der Toten zu verstehen. Auch wenn wir natürlich eine vollständige, allerletzte Erklärung und Beschreibung solcher Mysterien nicht geben können: einfach deswegen, weil diese Dinge so viel größer sind als wir selbst. Aber so lernte ich langsam, dass es beim Glauben schlussendlich auch auf Demut und Vertrauen - in die Kirche und die durch sie vermittelte vermittelte Offenbarung - ankommt.
Aber die Kirche vermittelt eben nicht nur die offenbarten Glaubensgeheimnisse, sondern zieht daraus (tw. ebenfalls mit Berufung auf die Offenbarung) auch Schlüsse für alle Bereiche des Lebens. Das war etwas, von dem ich zunächst dachte, mich dem entziehen zu können - da sich "ja eh niemand daran hält". "Don't ask, don't tell" - und man macht dann alles mit sich selber aus. Meine Einstellung begann sich erst langsam zu ändern, als ich die Confessiones des Hl. Augustinus las. Der nahm diese Dinge doch tatsächlich ernst... Und machte sich Sorgen, nicht nach den Vorschriften der Kirche leben zu können - um es dann durch die Gnade Gottes doch zu tun. Und komisch - bei mir kamen danach einige persönliche Erlebnisse hinzu, die immer mehr den kirchlichen Zugang nahelegten... Na ja. Gratias, Sancte Augustine!
Natürlich erfordert all das große Demut und eine intensive persönliche Auseinandersetzung mit dem Glauben und mit sich selbst. Das "hineinglauben" ist nie abgeschlossen: man muss den eigenen Glauben, den eigenen Zugang, das eigene Verhalten dauernd hinterfragen, in Beziehung stellen zu anderen Menschen, zum eigenen Umfeld, zur Kirche. Natürlich droht immer wieder die Gefahr, sich für etwas Besseres zu halten als andere, auf seinem spirituellen Weg stehen zu bleiben. Gerade deswegen ist das dauernde In-Frage-Stellen seiner selbst, seines Weges, seiner Einstellungen unverzichtbar. Sonst droht selbstzufriedene Überheblichkeit.
"Christus hat sich die Wahrheit genannt, nicht die Gewohnheit." (Tertullian)


3 Comments:
Hallo und Grüß Gott Petra!
Selbstzufriedene Überheblichkeit stell ich leider immer wieder bei den sog. Wiedergeborenen und den Konvertiten fest.
Schönen sonnigen Tag,
Elisabeth
Mal halblang: wer hat hier eigentlich wen persönlich attackiert? Wem wurde in geschwurbelt-selbstgerechtem Ton abgesprochen, eine richtige und gute Katholikin zu sein - only because she happened to find God by herself? Ich würde mich freuen, mal nur einen Bruchteil von jener Selbstreflexion, von der dieses Posting handelt, bei meinen lieben Kommentatorinnen zu finden...
Falls ich irgendwem gegenüber persönlich beleidigend war, tut es mir leid. Wenn ich in meinen Postings Probleme und Widersprüche am "progressiven Katholizismus" aufzeige, kann man das natürlich kritisieren - aber Kritik an meinen Ansichten bedeutet nicht, meinen Weg zum Glauben oder mich als Person herunterzumachen.
Dieser Post wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
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