Beicht-Leitfaden
Ralf hat sich in seinem Blog schon vor einigen Tagen über endlos labernde Priester in der Beichte beschwert. Hier also von mir ein kleiner Leitfaden, wie (meiner Meinung nach) Priester dieses wunderschöne und wichtige Sakrament würdig und fruchtbar über die Bühne bringen können...
- Regelmäßige Beichtzeiten:
Wenn eine Pfarre - zumal wo zwei oder mehr Priester beschäftigt sind - die Beichte nur "am Freitag von 15 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung" anbietet, kann sie sich sicher sein, dass dort bald niemand mehr zur Beichte aufkreuzt. Das regelmäßige Abnehmen der Beichte gehört zu den wichtigsten Aufgaben des Priesters - falls er durch andere Dinge keine Zeit dazu hat, sollte besprochen werden, welche Verpflichtungen ihm etwa von Laien abgenommen werden können, damit er sich wieder auf seine "Kernkompetenzen" konzentrieren kann. Eine halbe-dreiviertel Stunde vor der täglichen Messe wäre etwa ein günstiger Zeitpunkt dafür.
- Möglichkeit zur anonymen Beichte:
Ein Beichtender kommt, um seine Schuld zu bekennen. Viele möchten sich dabei am liebsten vor der Welt verstecken. Daher ist es nicht hilfreich, wenn man vom Priester mit Händedruck begrüßt und erst auf Nachfrage überhaupt in den Beichtstuhl gesetzt wird. Es sollten in der Kirche auf jeden Fall Beichtstühle vorhanden sein. Zu den festgelegten Beichtzeiten sollte der Priester immer im Beichtstuhl sitzen (auch wenn niemand kommt). Natürlich sollte aber auf Wunsch auch die Möglichkeit bestehen, sich in einem abgeschiedenen Raum Auge in Auge gegenüber sitzen zu können.
- Würde und Ernsthaftigkeit:
Der Priester sollte die Beichte nicht auf die leichte Schulter nehmen. Den Beichtenden kostet es immer Überwindung, seine Schuld zu bekennen. Es ist die Aufgabe des Priesters, dem Beichtenden das Gefühl zu vermittelt, dass es sich hier tatsächlich um ein Sakrament Christi handelt.
- Befolgung und Vermittlung der kirchlichen Lehre:
Der Priester spricht im Beichtstuhl im Namen Christi und der Kirche. Wenn jemand Dinge beichtet, die nach kirchlicher Lehre Sünden sind, sollte er nicht versuchen, dem Beichtenden diese auszureden, auch wenn er persönlich eine andere Meinung haben sollte. Natürlich ist Skrupulösität ("ich war gestern so müde und bin deshalb ohne Abendgebet ins Bett gegangen!") wieder was anderes - da kann besprochen werden, dass oft weniger mehr ist und es Gott wichtiger ist, wenn wir unsere Gebete aus vollem Herzen sprechen, als wenn wir uns nur an Formen halten.
Schwierig ist es, wenn im Laufe des Gesprächs Dinge erwähnte werden, die nach kirchlicher Lehre Sünden sind, aber in der Gesellschaft akzeptiert werden. Hier kann - unter Umständen und immer im Kontext - subtil auf die Lehre der Kirche hingewiesen werden. Eine gute Möglichkeit kann es sein, von diesen Dingen zu sprechen, wenn es sowieso gerade um Probleme damit geht (etwa: "Ich traue mich nicht, meinen Freund abzuweisen, wenn er Sex will und ich keine Lust habe, weil ich Angst habe, ich könnte ihn dann verlieren"). In so einer Situation ist der/die Beichtende eher offen für die Lehre der Kirche, als er/sie es in einer anderen Lage wäre.
- Kurze, auf das Wesentliche ausgerichtete Ratschläge und Gedanken:
Die Beichte ist zwar ein Wortgottesdienst, aber keine Messe. Deshalb sollte die Sonntagshomilie nicht am bedauernswerten Beichtenden erprobt werden. Natürlich haben Ratschläge und auch allgemeine theologische Gedanken in der Beichte ihren Platz - doch sollten sie immer auf die Sache bezogen bleiben und nicht ausufern. (Der Beichtende hat schließlich nicht ewig Zeit!) Auch mit konkreten Ratschlägen zur Lage des Beichtenden sollte man sich zurückhalten - man kann aus den wenigen Sätzen, die dieser erzählt hat, oft nur ungenau seine wirkliche Situation erkennen, und daher bei zu sachbezogenen Ratschlägen auch ins Fettnäpfchen treten. Zudem sollte man sich immer vor Augen halten: die Beichte dient vor allem der Vergebung der Sünden, und nicht dazu, die Probleme des Beichtenden mit Ratschlägen zu lösen.
- Bezug der Bußaufgaben auf das Gebeichtete:
Es ist für den Beichtenden sehr hilfreich, wenn man nicht einfach irgendwelche standardisierten Bußaufgaben gibt ("beten Sie jetzt zwei Ave Maria"), sondern immer auch einen Bezug zu dem Gebeichteten selbst herstellt. Wenn jemand etwa einen Streit mit den Eltern oder dem Ehepartner gebeichtet hat, kann man etwa auftragen, drei Vaterunser oder ein Gesätz des Rosenkranzes für die Person oder Personen, die man verletzt hat, zu beten. Auch sehr gut ist das Aufgeben eines Gebetes aus dem Gotteslob, das inhaltlich irgendeinen Bezug zum Gebeichteten hat (wenn jemand etwa an einer Sucht oder einer Abhängigkeit leidet, kann das etwa ein Gebet um Befreiung und Erlösung sein).
- Regelmäßige Beichtzeiten:
Wenn eine Pfarre - zumal wo zwei oder mehr Priester beschäftigt sind - die Beichte nur "am Freitag von 15 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung" anbietet, kann sie sich sicher sein, dass dort bald niemand mehr zur Beichte aufkreuzt. Das regelmäßige Abnehmen der Beichte gehört zu den wichtigsten Aufgaben des Priesters - falls er durch andere Dinge keine Zeit dazu hat, sollte besprochen werden, welche Verpflichtungen ihm etwa von Laien abgenommen werden können, damit er sich wieder auf seine "Kernkompetenzen" konzentrieren kann. Eine halbe-dreiviertel Stunde vor der täglichen Messe wäre etwa ein günstiger Zeitpunkt dafür.
- Möglichkeit zur anonymen Beichte:
Ein Beichtender kommt, um seine Schuld zu bekennen. Viele möchten sich dabei am liebsten vor der Welt verstecken. Daher ist es nicht hilfreich, wenn man vom Priester mit Händedruck begrüßt und erst auf Nachfrage überhaupt in den Beichtstuhl gesetzt wird. Es sollten in der Kirche auf jeden Fall Beichtstühle vorhanden sein. Zu den festgelegten Beichtzeiten sollte der Priester immer im Beichtstuhl sitzen (auch wenn niemand kommt). Natürlich sollte aber auf Wunsch auch die Möglichkeit bestehen, sich in einem abgeschiedenen Raum Auge in Auge gegenüber sitzen zu können.
- Würde und Ernsthaftigkeit:
Der Priester sollte die Beichte nicht auf die leichte Schulter nehmen. Den Beichtenden kostet es immer Überwindung, seine Schuld zu bekennen. Es ist die Aufgabe des Priesters, dem Beichtenden das Gefühl zu vermittelt, dass es sich hier tatsächlich um ein Sakrament Christi handelt.
- Befolgung und Vermittlung der kirchlichen Lehre:
Der Priester spricht im Beichtstuhl im Namen Christi und der Kirche. Wenn jemand Dinge beichtet, die nach kirchlicher Lehre Sünden sind, sollte er nicht versuchen, dem Beichtenden diese auszureden, auch wenn er persönlich eine andere Meinung haben sollte. Natürlich ist Skrupulösität ("ich war gestern so müde und bin deshalb ohne Abendgebet ins Bett gegangen!") wieder was anderes - da kann besprochen werden, dass oft weniger mehr ist und es Gott wichtiger ist, wenn wir unsere Gebete aus vollem Herzen sprechen, als wenn wir uns nur an Formen halten.
Schwierig ist es, wenn im Laufe des Gesprächs Dinge erwähnte werden, die nach kirchlicher Lehre Sünden sind, aber in der Gesellschaft akzeptiert werden. Hier kann - unter Umständen und immer im Kontext - subtil auf die Lehre der Kirche hingewiesen werden. Eine gute Möglichkeit kann es sein, von diesen Dingen zu sprechen, wenn es sowieso gerade um Probleme damit geht (etwa: "Ich traue mich nicht, meinen Freund abzuweisen, wenn er Sex will und ich keine Lust habe, weil ich Angst habe, ich könnte ihn dann verlieren"). In so einer Situation ist der/die Beichtende eher offen für die Lehre der Kirche, als er/sie es in einer anderen Lage wäre.
- Kurze, auf das Wesentliche ausgerichtete Ratschläge und Gedanken:
Die Beichte ist zwar ein Wortgottesdienst, aber keine Messe. Deshalb sollte die Sonntagshomilie nicht am bedauernswerten Beichtenden erprobt werden. Natürlich haben Ratschläge und auch allgemeine theologische Gedanken in der Beichte ihren Platz - doch sollten sie immer auf die Sache bezogen bleiben und nicht ausufern. (Der Beichtende hat schließlich nicht ewig Zeit!) Auch mit konkreten Ratschlägen zur Lage des Beichtenden sollte man sich zurückhalten - man kann aus den wenigen Sätzen, die dieser erzählt hat, oft nur ungenau seine wirkliche Situation erkennen, und daher bei zu sachbezogenen Ratschlägen auch ins Fettnäpfchen treten. Zudem sollte man sich immer vor Augen halten: die Beichte dient vor allem der Vergebung der Sünden, und nicht dazu, die Probleme des Beichtenden mit Ratschlägen zu lösen.
- Bezug der Bußaufgaben auf das Gebeichtete:
Es ist für den Beichtenden sehr hilfreich, wenn man nicht einfach irgendwelche standardisierten Bußaufgaben gibt ("beten Sie jetzt zwei Ave Maria"), sondern immer auch einen Bezug zu dem Gebeichteten selbst herstellt. Wenn jemand etwa einen Streit mit den Eltern oder dem Ehepartner gebeichtet hat, kann man etwa auftragen, drei Vaterunser oder ein Gesätz des Rosenkranzes für die Person oder Personen, die man verletzt hat, zu beten. Auch sehr gut ist das Aufgeben eines Gebetes aus dem Gotteslob, das inhaltlich irgendeinen Bezug zum Gebeichteten hat (wenn jemand etwa an einer Sucht oder einer Abhängigkeit leidet, kann das etwa ein Gebet um Befreiung und Erlösung sein).


3 Comments:
Dieser Post wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
Ja, Du hast Recht. Das gute Zuhören (auch in persona Christi) ist ja wohl überhaupt das Wichtigste...
Deine vier Fragen sind, finde ich, sehr hilfreich - das mit den Erwartungen etwa in dem Sinn, wie man als Priester auf den Beichtenden zugeht, was man ihm "zumuten" kann.
Ich finde auch, die von Dir angesprochenen Überlegungen sind sehr wichtig: ich denke nämlich, dass einige unüberlegten Sätze und Verhaltensweisen von Priestern mehr Schaden für die Beziehung des Gläubigen zur Kirche anrichten können, als jahrelange schlechte Katechese im Religionsunterricht...
Entscheidend scheint mir (und das kommt in der Praxis gern zu kurz), daß die Beichte Liturgie der Kirche ist, d.h. eingebunden in liturgisches Beten. Psalm 50/51, das Confiteor etc. gehören dazu. Umgekehrt gehört das persönliche Wort mehr in ein Beratungsgespräch. Also bitte fein trennen (ich weiß um die praktischen Schwierigkeiten!): Wenn Depressionen, dann Psychologe; wenn Schulpropleme, dann Sozialarbeiter; Wenn Sünde, dann Absolution (und zwar kurz und Knackig)!
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