Frau und Kind
Die westliche Welt hätte in einem kurzen Zeitraum vor einigen Jahrzehnten eine echte Chance gehabt, einen bestimmten Aspekt von Ungerechtigkeit und Menschenunwürdigkeit möglicherweise fast vollständig in ihren Gesellschaften zu eliminieren. Ich meine dabei die der Abtreibung. Viele gesellschaftliche Gründe, die bis dahin Frauen zur Abtreibung drängten, fielen damals weg: eine Frau war nicht mehr stigmatisiert, wenn sie ein uneheliches Kind hatte, wenn sie es alleine aufzog; Einrichtungen zur Kinderbetreuung wurden ausgebaut, die soziale Förderung der Familien verstärkt.
Doch gerade in diesem Augenblick, in dem diese einmalige Chance dagewesen wäre, bog man in die falsche Richtung ab: man legalisierte die Abtreibung. Man sah zunächst gar nicht, dass es die falsche Entscheidung gewesen war - der österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky hoffte ja etwa tatsächlich, dass es bald keine Abtreibungen mehr geben würde, und dass die Legalisierung der Abtreibung nur als Hilfsmaßnahme auf diesem Weg diente, um die gesundheitlichen Auswirkungen und Gefahren der illegalen Abtreibung zu eliminieren.
Die Politiker damals hatten sich allerdings mit den Falschen ins Bett gelegt. Sie taten es mit Feministinnen, von denen es vielen (und gerade den Wortführerinnen) in Wahrheit absolut nicht um die armen Frauen ging, die in Hinterhöfen illegal abtrieben. Nein, es ging ihnen darum, das Frausein (und dazu gehört das Kinderkriegen eben biologisch dazu) fast völlig zu eliminieren, zu einer "Wahl" zu machen. Ich kann "wählen", ob ich weibliche biologische Funktionen haben will oder nicht: sprich, ich kann "wählen", ob ich ein Kind bekommen will, oder nicht.
Deshalb musste auch geleugnet werden (und wird bis heute geleugnet), dass es sich bei diesem Lebewesen mit einem Genom, das sich von jenem der Mutter unterscheidet, um ein eigenes Lebewesen handelt, sondern man spricht davon, dass es ein "Teil des Körpers der Mutter" sei. Dass jedes Bakterium im menschlichen Körper ein eigenes Lebewesen ist, steht ansonsten außer Frage. Nur das Kind, das nicht einmal ein Bakterien-Genom, sondern ein menschliches hat, soll kein eigenes Lebewesen sein. Man spricht auch von einem "himbeerartigen Gebilde" - obwohl das Kind in der 4. Schwangerschaftswoche (wenn Abtreibungen überhaupt möglich erst werden) bereits keine Blastozyte, sondern ein sich laufend diversifizierender Embryo ist.
Und durch laufende mediale Gehirnwäsche wurde aus dieser Einstellung innerhalb weniger Jahre received wisdom in der gesamten westlichen Welt, besonders in Europa.
In anderen Ländern (insbesondere in den USA) gab und gibt es allerdings Menschen, die eigentlich alles dafür "prädestinieren" würde, dass sie "für die Abtreibung" sind - Menschen, die Linke, Feministinnen, Atheisten, Agnostiker sind -, die aber trotzdem strikt dagegen sind. Warum? Weil sie sich die Menschenrechte, die Frauenrechte einmal logisch bis zum Ende durchdacht haben. Weil sie davon beunruhigt waren, dass viele Proto-Feministinnen der zehner und zwanziger Jahre gegen die Abtreibung waren. Weil sie dachten, dass man ja auch für das Leben und die Rechte der Ungeborenen kämpfen müsse, wenn man das schon für die Menschen in Dritte-Welt-Ländern tut. Dieser - eigentlich logische - Zugang ist bei uns aber verpönt, ja unmöglich. Hierzulande kommt das Wort "Kind" in der linken Rhetorik nur im Zusammenhang mit Kinderarbeitern in Kambodscha oder Kinderprostituierten in Thailand vor. Sonst wird immer nur von "Frauenrechten", "Frauengesundheit" bzw. "Gebärzwang" gesprochen.
Die Frau müsse das Kind umbringen, um "frei" zu sein, wird da suggeriert. Nicht, dass das den betroffenen Frauen keine Probleme machte. Aber diese Probleme seien doch völlig unerheblich und nur "Propaganda", wird gesagt. Praktischerweise entbindet das auch die Gesellschaft von der Verpflichtung, etwas für ungewollt schwangere Frauen zu tun. Schließlich können diese ja immer noch in die Abtreibungsklinik gehen und "das Problem" ist dann gleich "vom Tisch". Ist es vielleicht deswegen, dass sich in Wien (und vielleicht auch in ganz Österreich) bis zum heutigen Tag offenbar ausschließlich private und kirchliche Einrichtungen um ungewollt Schwangere kümmern?
Doch gerade in diesem Augenblick, in dem diese einmalige Chance dagewesen wäre, bog man in die falsche Richtung ab: man legalisierte die Abtreibung. Man sah zunächst gar nicht, dass es die falsche Entscheidung gewesen war - der österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky hoffte ja etwa tatsächlich, dass es bald keine Abtreibungen mehr geben würde, und dass die Legalisierung der Abtreibung nur als Hilfsmaßnahme auf diesem Weg diente, um die gesundheitlichen Auswirkungen und Gefahren der illegalen Abtreibung zu eliminieren.
Die Politiker damals hatten sich allerdings mit den Falschen ins Bett gelegt. Sie taten es mit Feministinnen, von denen es vielen (und gerade den Wortführerinnen) in Wahrheit absolut nicht um die armen Frauen ging, die in Hinterhöfen illegal abtrieben. Nein, es ging ihnen darum, das Frausein (und dazu gehört das Kinderkriegen eben biologisch dazu) fast völlig zu eliminieren, zu einer "Wahl" zu machen. Ich kann "wählen", ob ich weibliche biologische Funktionen haben will oder nicht: sprich, ich kann "wählen", ob ich ein Kind bekommen will, oder nicht.
Deshalb musste auch geleugnet werden (und wird bis heute geleugnet), dass es sich bei diesem Lebewesen mit einem Genom, das sich von jenem der Mutter unterscheidet, um ein eigenes Lebewesen handelt, sondern man spricht davon, dass es ein "Teil des Körpers der Mutter" sei. Dass jedes Bakterium im menschlichen Körper ein eigenes Lebewesen ist, steht ansonsten außer Frage. Nur das Kind, das nicht einmal ein Bakterien-Genom, sondern ein menschliches hat, soll kein eigenes Lebewesen sein. Man spricht auch von einem "himbeerartigen Gebilde" - obwohl das Kind in der 4. Schwangerschaftswoche (wenn Abtreibungen überhaupt möglich erst werden) bereits keine Blastozyte, sondern ein sich laufend diversifizierender Embryo ist.
Und durch laufende mediale Gehirnwäsche wurde aus dieser Einstellung innerhalb weniger Jahre received wisdom in der gesamten westlichen Welt, besonders in Europa.
In anderen Ländern (insbesondere in den USA) gab und gibt es allerdings Menschen, die eigentlich alles dafür "prädestinieren" würde, dass sie "für die Abtreibung" sind - Menschen, die Linke, Feministinnen, Atheisten, Agnostiker sind -, die aber trotzdem strikt dagegen sind. Warum? Weil sie sich die Menschenrechte, die Frauenrechte einmal logisch bis zum Ende durchdacht haben. Weil sie davon beunruhigt waren, dass viele Proto-Feministinnen der zehner und zwanziger Jahre gegen die Abtreibung waren. Weil sie dachten, dass man ja auch für das Leben und die Rechte der Ungeborenen kämpfen müsse, wenn man das schon für die Menschen in Dritte-Welt-Ländern tut. Dieser - eigentlich logische - Zugang ist bei uns aber verpönt, ja unmöglich. Hierzulande kommt das Wort "Kind" in der linken Rhetorik nur im Zusammenhang mit Kinderarbeitern in Kambodscha oder Kinderprostituierten in Thailand vor. Sonst wird immer nur von "Frauenrechten", "Frauengesundheit" bzw. "Gebärzwang" gesprochen.
Die Frau müsse das Kind umbringen, um "frei" zu sein, wird da suggeriert. Nicht, dass das den betroffenen Frauen keine Probleme machte. Aber diese Probleme seien doch völlig unerheblich und nur "Propaganda", wird gesagt. Praktischerweise entbindet das auch die Gesellschaft von der Verpflichtung, etwas für ungewollt schwangere Frauen zu tun. Schließlich können diese ja immer noch in die Abtreibungsklinik gehen und "das Problem" ist dann gleich "vom Tisch". Ist es vielleicht deswegen, dass sich in Wien (und vielleicht auch in ganz Österreich) bis zum heutigen Tag offenbar ausschließlich private und kirchliche Einrichtungen um ungewollt Schwangere kümmern?


9 Comments:
It struck me the other day, whilst listening to love songs in a medical library, that we Anglo-Saxons have another, home-grown word for "feminism": womanising.
But isn't "womanizing" supposed to be meaning something else? :-)
A translation, fwiw:
"The Western world might have had a real chance a few decades ago to almost completely eliminate a certain aspect of injustice and human indecency, within a short span of time. By this I'm referring to abortion. Many social reasons that until then had pressed women toward abortion fell away at the time: a woman was no longer stigmatised if she had a child out of wedlock or if she raised it alone. Institutions for child care were being developed and the social support for families strengthened.
But in the very moment when this one-time chance might have been, we turned in the wrong direction: we legalised abortion. We didn't see right away that it had been the wrong decision: the Austrian chancellor Bruno Kreisky even hoped that there would soon be no more abortions and that the legalisation would only serve as a means of helping to eliminate the dangers and health consequences of illegal abortion.
At the time, though, the politicians had gone to bed with falsehood. They did it with feminists, for many of whom (particularly the opinion leaders) it really had nothing to do with poor women getting illegal abortions in back rooms. No; for them it was about, as much as possible, eliminating womanhood (to which childbearing indeed belongs biologically): about making a "choice". I can "choose" whether I will have female biological functions or not; which means: I can "choose" whether I will have a child or not.
Because of that, it had to be denied (and is still denied today) that this living being with a genome different from that of its mother is a distinct living being: instead people say it's a "part of the mother's body". Now, there's no dispute that every bacterium in the human body is a separate living being: that's beyond question. Only the child, who doesn't have a bacterial genome but a human one, is supposed to be not a distinct living being. People talk about a "raspberry-like structure" -- although the child in the fourth week of pregnancy (when abortions first become possible) is already no mere blastocyte, but a swiftly diversifying embryo.
And in just a few years through the ongoing media brainwashing this concept became received wisdom throughout the Western world, particularly in Europe.
In other countries (especially the USA) there have been and still are, of all things, people who would have been "predestined" by everything to be "pro-abortion": people who are left-wingers, or feminists, or atheists and agnostics, but in spite of that are totally against it. Why? Because they have thought human rights and women's rights through logically for once to a conclusion. Because they were disquieted by the fact that many proto-feminists of the '10s and '20s were against abortion. Because they thought that they had to fight for the life and the rights of the unborn, if they were already doing the same for people in third-world countries. This - actually logical - proceeding is taboo among us: quite impossible. In this country, the word "child" comes up in left-wing rhetoric only in connection with child laborers in Cambodia or child prostitutes in Thailand. Otherwise, one only hears talk of "women's rights", "women's health", or even "compulsory childbearing".
It is suggested that the woman has to do in her child in order to be "free". Not to say that there aren't any problems for the affected woman: but it's said that these problems are quite inconsequential and just "propaganda". Practically speaking, society has disconnected itself from the obligation to do something for women who are unintendedly pregnant. In the end, they can go back again to the abortion clinic and the problem will be cleared off the table in no time. Is that perhaps why to this very day in Vienna (and perhaps in all of Austria) only private and church-run organisations provide for the care of women in unintended pregnancies?"
Thank you very much for the English translation, RC!
I would make two minor corrections:
Third par., first sentence: instead of "the politicians had gone to bed with falsehood" it would be: the politicians had gone to bed with the wrong ones
Last par., fourth sentence: instead of "In the end, they can go back again to the abortion clinic" it would be: after all, they could still go to an abortion clinic
Thanks for the edits, Petra! As you can tell, I took liberties in a few places: "taboo" isn't an exact replacement of "verpoent".
Also, I need some advice on how to translate the expression "sprich", as in:
'Ich kann "wählen", ob ich weibliche biologische Funktionen haben will oder nicht: sprich, ich kann "wählen", ob ich ein Kind bekommen will, oder nicht.'
Does "sprich" convey something different from "d.h."?
Does it mean that the second statement is implied by the first? or that the second is a restatement, or perhaps a *euphemism* for the first?
Thanks!
I should tidy up another bit of that third paragraph too, so it would read: At the time, though, the politicians had gone to bed with the wrong people: with the feminists...
I think your translation was quite excellent... :-)
"sprich" mostly conveys the meaning that what comes afterwards says it more clearly or says what is really meant or what is "behind" the first statement.
It is quite similar to "d. h.", but while "das heißt/d. h." simply explains the first statement, "sprich" has something of "the raw truth" in it.
Ach, du liebe... a German KathBlog anglo-translation forum is clearly what's needed!!!
I vote the first thing we do is August Franzen's "Kleine Kirchengeschichte" ;)
1di7
Anyhow:
@Petra: Sorry, it does "normally" mean something else. But I was referring to the actual results of the mentality we have, with all the politically-correct madness involved.
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