Konversiongeschichte
Heute vor sechs Monaten bin ich getauft worden (am 9. Jänner 2005). Wohl ein guter Zeitpunkt, um mal meine ganze Konversiongeschichte zu erzählen...
I. Familie
Ich komme aus einer nicht-religiösen, am ehesten als agnostisch zu charakterisierenden Familie.
Die - eigentlich evangelische - Familie meines Vaters ist schon seit der Generation meiner Urgroßmutter (Mutter meiner Großmutter) nicht gläubig; allerdings hat meine Oma, die vermutlich durch ihre eigene Großmutter irgendeinen sehr vagen Glauben mitbekommen hatte, ihre eigenen Kinder und auch die Kinder meiner Tante (der jüngeren Schwester meines Vaters) taufen lassen. Mein Vater und seine Schwester wurden allerdings überhaupt nicht in irgendeinem Glauben aufgezogen (und mein Großvater selbst war Atheist).
Meine Mutter kommt hingegen eigentlich aus einer "gut katholischen" Familie mit sieben Kindern: die meisten älteren Geschwister meiner Mutter (sie ist die jüngste) gingen zum Teil auch zur Erstkommunion, obwohl heute meines Wissens keiner von ihnen praktizierend ist. Meine Großeltern besuchten beide Ordensschulen: die reichen Verwandten, die die Ausbildung meines Großvaters in einem Piaristengymnasium bezahlt hatten, wollte ja sogar, dass er Priester wird - zum Glück hatte er andere Pläne... Allerdings war er wohl während des Großteils seines Lebens kein praktizierender Katholik. Meine Großmutter wurde hingegen in späteren Jahren wieder praktizierende Katholikin (den Glauben hatte sie wohl nie ganz verloren) - eine meiner Tanten brachte ihr noch auf's Totenbett einen Rosenkranz, damit sie diesen in den letzten Stunden beten konnte...
II. Kindheit und Jugend
Ich selbst wuchs aber, wie schon gesagt, in einer nicht-gläubigen Familie auf, allerdings in einer, in der viel Offenheit und Interesse für Kultur und Geschichte herrschte. Ich verschlang schon seit meiner frühesten Kindheit Bücher, und hatte auch immer wieder sog. "Phasen", wo ich mich einfach in ein Thema völlig einarbeitete und alles dazu las. Die erste dieser "Phasen" hatte ich mit etwa sechs-sieben Jahren: sie begann, als ich eine sehr gutes Buch mit Bibelgeschichten aus dem Alten Testament für Kinder bekam. Ich war hellauf begeistert von den humorvoll und interessant geschriebenen Geschichten (zunächst natürlich nicht von einem religiösen Standpunkt her), und kannte bald das Meiste, was in der Bibel stand.
Auch später interessierte ich mich aus allgemeinem kulturellen Interesse für die Religion, die Kirchengeschichte, die Heiligen, die religiöse Kunst (eine Kunstgeschichte-"Phase" hatte ich natürlich auch :-)). Zudem lebten wir zwischen 1983 und 1988 (da war ich zwischen vier und neun Jahre alt) in Österreich, und hier ist ja der Religionsunterricht ein Teil des normalen Stundenplanes. Ich selbst musste als "o. r. B." (ohne religiöses Bekenntnis) natürlich nicht in den Religionsunterricht (was auch bedeutete, dass wir manchmal später kommen oder früher gehen konnten) - und ich war auch irgendwie stolz darauf, "anders" zu sein als die meisten anderen.
1990 kehrten wir - nach zwei Jahren in Ungarn - wieder nach Österreich zurück, und ich ging ab dann ins Gymnasium. Meine Klasse unterrichtete ab der 6. Klasse (10. Schulstufe) ein junger Priester in Religion - etwas, was doch recht ungewöhnlich ist, vor allem auf einer staatlichen Schule. Auf jeden Fall mochten wir ihn alle sehr gern, und ich unterhielt mich auf Reisen mit der Schulklasse gerne mit ihm über dies und das. Er meinte einmal später, dass ich mich mehr für die Kirchengeschichte und solche Dinge interessierte, als die meisten von denen, die den Religionsunterricht besuchten....
III. Kurz vorher
In all diesen Jahren kam mir allerdings nie in den Sinn, dass ich mal selbst gläubig werden könnte; selbst vor zwei Jahren noch hätte ich jeden ausgelacht, der mir das gesagt hätte. Ich empfand mich - sobald ich das Wort kannte - als Agnostikerin; ich behauptete nicht kategorisch, dass es Gott nicht gab, aber ich glaubte auch nicht wirklich daran - und außerdem war Er für mich und für mein Leben auch unerheblich.
Die ersten, vagen Anzeichen, dass das mal anders werden könnte, begannen vor ca. 4 Jahren, als ich über Monate, vielleicht auch über 1-2 Jahre hindurch manchmal plötzlich und unerwartet schreckliche Angst vor dem Tod hatte. Das war ein Gefühl, das mich immer ganz jäh überfiel und mich bedrückte. Ich beneidete in solchen Augenblicken jene Menschen, die an ein Leben nach dem Tod glauben konnten; gleichzeitig meinte ich aber auch, dass ich mich keinen Illusionen hingeben konnte, dass nachher noch etwas kommen würde.
IV. Erste Erlebnisse
Den eigentlichen Beginn meiner "Geschichte mit Gott" setze ich allerdings im August 2003 an. Ich war damals für ein paar Tage in Paris (ich hatte im Jahr 2001 für ein Semester dort studiert und fahre seitdem jedes Jahr hin, um Freunde zu besuchen). Drei Dinge dort brachten mich in Kontakt mit dem katholischen Glauben und beeindruckten mich:
- Ich ging einmal in die Kathedrale Notre-Dame, als gerade die Kommunion stattfand. Der äußere Rundgang der Kirche war voll mit Touristen während der Zeit; ich merkte aber, dass viele von ihnen sich zu den Leuten stellten, die zur Kommunion gingen. Ich sah dort also eine sehr lange Reihe von Menschen aus den verschiedensten Ländern, viele eher nur zufällig als Touristen an diesem Ort, wie sie alle gemeinsam zur Kommunion gingen. Es war ein beeindruckendes Bild der Kirche, ihrer Internationalität, ihres weltumfassenden Wesens.
- Am Sonntag ging ich dann spazieren und stolperte zufällig in eine Kirche hinein, die voller Menschen war - darunter viele junge Paare mit Kindern. Zunächst fiel mir nur auf, dass der Priester auf der Kanzel stand; dann kam er herunter und begann mit dem Rücken zu dem Menschen am Altar zu werken, während er Worte in einer unverständlichen Sprache sprach. Ich begriff: das war eine Tridentinische Messe! Ich dachte ja damals noch, dass diese verboten sei (allerdings war dieser konkrete Gottesdienst wirklich "illizit" - es handelte sich nämlich um Lefebvristen), deshalb schaute ich voller Interesse zu. Schließlich kam der Moment der Konsekration: alle knieten nieder, es war ganz still, und der Priester hob die Hostie empor. Da ich vorher nur Messen im Novus Ordo gesehen hatte, beeindruckte mich die Stille, die im alten Ritus bei der Wandlung herrscht (der Priester flüstert die Wandlungsworte ja nur). Erstmals konnte ich etwas Besonderes spüren...
- Das Dritte war ein Roman von Julien Green, Chaque homme dans sa nuit - ein Buch über einen jungen Katholiken im amerikanischen Süden und dessen privaten und spirituellen Kämpfen. Ich wollte immer schon mal was von Green lesen und kaufte auf eher gut Glück dieses Buch. Es beeindruckte mich sehr und erinnerte mich auch irgendwie an einen Arbeitskollegen (meinen späteren Taufpaten), dem ich das Buch später auch borgte.
Aber all dies war nur der Beginn, und nichts deutete darauf hin, dass sich bald etwas ändern würde. Die nächste Station setze ich bei einem Abend im Dezember 2003 an. Ich war an diesem Tag in der Innenstadt einkaufen und kam dann - draußen war es schon dunkel - auf dem Heimweg am Stephansdom vorbei. Ich ging hinein und starrte durch das Gitter in den leeren, dunklen Kirchenraum. In diesem Augenblick beneidete ich plötzlich jene, die glauben konnten; es kam erstmals eine gewissen Sehnsucht nach dem Glauben auf - doch gleichzeitig "wusste" ich, dass das bei mir nicht möglich war.
V. Begegnungen
Im Jänner wurden wir dann mit - dem auf diesen Seiten schon öfters erwähnten - man I used to love ein Paar. (Nennen wir ihn der Einfachheit halber A.) Ich wusste bereits recht früh, dass er gläubiger Katholik war, doch beschäftigte ich mich zunächst nicht so besonders damit. Ich respektierte seinen Glauben allerdings sehr, weil ich ihn als echt und tief empfunden erkannte. (Ich hatte früher einen anderen Freund gehabt, der zwar eher ein "Weihnachtskatholik" war, aber trotzdem darauf bestand, dass, sollten wir mal Kinder haben, diese getauft werden sollten, "weil meine Oma hätte das so gern". Ich lehnte natürlich entrüstet ab. Bei A. hingegen wäre ich dazu bereit gewesen; denn ich wusste, dass es ihm wirklich wichtig war und er den Glauben wirklich lebte.)
Im März 2004 schauten wir uns dann im Kino Die Passion Christi an und hatten nachher ein langes Gespräch darüber, sowie allgemein über den Glauben. Da erzählte A. mir, dass er erst mit 23 zum Katholizismus konvertiert und getauft worden war. Ich war überrascht; ich hatte mir immer vorgestellt, dass "normale" Leute, die gläubig waren, bereits im Glauben aufgewachsen waren und nie etwas anderes gekannt hatten; in meinem Weltbild gab's natürlich auch Konvertiten, nur waren das irgendwelche Irre, die Visionen von Jesus oder der Muttergottes hatten und sich daraufhin bekehrten. Deshalb war ich überrascht, dass ein "normaler" Mensch Konvertit sein konnte - was natürlich mein Interesse am Glauben nur weiter anheizte...
Bald stieß ich dann eher zufällig auf die Schriften von G. K. Chesterton. Ich las zunächst The Superstition of Divorce und The Catholic Church and Conversion - und war begeistert. Vorher hatte ich gedacht, religiöse Apologetik sei irgendwie was Salbungsvolles und Langweiliges; in Chesterton lernte ich aber einen Autor kennen, der humorvoll, satirisch, spitz und respektlos war - und gleichzeitig voller Begeisterung für den Glauben und die Kirche. Ich erkannte, dass die Kirche - gegenüber den intellektuellen Moden der jeweiligen Zeit - die menschlichen Werte und den gesunden Menschenverstand verkörperte, die Gemeinschaft der Menschen miteinander und mit Gott beschützte.
VI. Sehnsucht
Obwohl ich also auf dem richtigen Weg war, meinte ich zunächst, nicht glauben zu können. Ich ging einmal so zur Probe in den Stephansdom, versuchte dort zu beten - doch bald dachte ich: Was tue ich denn hier? Da ist doch niemand! Dann blieb ich noch bis zur Messe da, kam mir aber dort irgendwie gar nicht zugehörig vor und ging noch vor der Kommunion. Ich dachte mir eben, dass ich, trotz aller Sehnsucht, eben "religiös unmusikalisch" ((c) Habermas) sei.
Gegen April wurde die Sehnsucht aber immer stärker; ich betrachtete mich als Suchende, wusste aber nicht so genau, was ich suchte. Ich dachte immer wieder daran, mal den ehemaligen Religionslehrer meiner Klasse (den einzigen Priester, den ich kannte) zu kontaktieren: doch was sollte ich ihm sagen?
Schließlich durchschnitt der Herr selbst den Gordischen Knoten.
VII. Katechumenat und Taufe
Ich las in der nachfolgenden Zeit (und eigentlich bis heute) enorm viel zum Glauben; zunächst ging es hauptsächlich darum, die Grundlagen besser zu verstehen (ich hatte ja schon durch meine früheren Interessen eine gute Basis und kannte die grundlegenden Charakteristika des katholischen Glaubens). Ich wusste zunächst auch nicht genau, warum ich ausgerechnet katholisch werden wollte, und handelte erstmals dem Gefühl nach - erst später wurde es mir klar, dass ich mich richtig entschieden hatte. Und die Kohärenz des Ganzen machte mir auch bewusst, dass man sich auch nicht auswählen konnte, woran man sich hielt und woran man sich nicht hielt - wenn man den Glauben ernst nahm, war kein pick and choose möglich. (Mehr darüber hier.)
Als ich meinen Eltern erstmals davon erzählte (das war mehr als ein Monat nach meinem Konversionserlebnis), waren sie zunächst erschüttert und enttäuscht. Sie glaubten, ich hätte irgendein Problem; ich war ihnen plötzlich fremd geworden. Meine Mutter sagte: "Warum ausgerechnet katholisch? Ich hätte gedacht, wenn Du schon mal zu etwas konvertierst, dann wenigstens zu was Toleranterem..."
Sie fanden sich aber bald damit ab; mein Vater hatte dann auch schnell überhaupt keine Probleme mehr damit - er betrachtet die Kirche vom Manager-Standpunkt aus und hat aus dieser Sicht hauptsächlich Bewunderung für sie übrig... :-) Meiner Mutter fiel es bedeutend schwerer (ich glaube, sie hat sich bis zum heutigen Tag nicht ganz damit versöhnt), aber sie akzeptierte es und sah auch, dass es mir damit gutging und ich glücklich darüber war. Als die Taufe kam, wollten sie natürlich beide dabeisein (meine Schwester lebt derzeit in Schweden, weswegen sie nicht dort sein konnte), und machten ausgiebig Fotos, die bis zum heutigen Tag allen möglichen Verwandten gezeigt werden...
Meine Freunde waren da weniger problematisch, obwohl ein-zwei Leute eher unfreundlich reagierten. Viele andere fanden es hingegen gut, freuten sich darüber, oder sagten wenigstens: wenn du's willst, dann ist es in Ordnung... Auch viele meiner Arbeitskollegen freuten sich ebenfalls und waren beeindruckt (von einem Kollegen erfuhr ich überhaupt erst unter diesen Umständen, dass er Katholik war...).
Am ersten Adventsonntag fand dann meine offizielle Aufnahme ins Katechumenat statt: ich wurde auf Stirn und Hände mit Katechumenenöl gesalbt und mein späterer Taufpate musste als Bürge bezeugen, "dass sie würdig ist". Am 9. Jänner (in diesem Jahr Tag der Taufe des Herrn) wurde ich dann schließlich getauft, gefirmt und empfing die Erstkommunion. Ich hätte mich natürlich auch erst in der Osternacht taufen lassen können - aber ich wollte aus irgendeinem Gefühl heraus die Fastenzeit bereits als Katholikin erleben. Aber auch so geschah meine Taufe ziemlich genau acht Monate nach meiner Bekehrung.
Zum Abschluss kann ich wirklich nur sagen, was ich auch schon hier geschrieben habe:
DEO GRATIAS!
I. Familie
Ich komme aus einer nicht-religiösen, am ehesten als agnostisch zu charakterisierenden Familie.
Die - eigentlich evangelische - Familie meines Vaters ist schon seit der Generation meiner Urgroßmutter (Mutter meiner Großmutter) nicht gläubig; allerdings hat meine Oma, die vermutlich durch ihre eigene Großmutter irgendeinen sehr vagen Glauben mitbekommen hatte, ihre eigenen Kinder und auch die Kinder meiner Tante (der jüngeren Schwester meines Vaters) taufen lassen. Mein Vater und seine Schwester wurden allerdings überhaupt nicht in irgendeinem Glauben aufgezogen (und mein Großvater selbst war Atheist).
Meine Mutter kommt hingegen eigentlich aus einer "gut katholischen" Familie mit sieben Kindern: die meisten älteren Geschwister meiner Mutter (sie ist die jüngste) gingen zum Teil auch zur Erstkommunion, obwohl heute meines Wissens keiner von ihnen praktizierend ist. Meine Großeltern besuchten beide Ordensschulen: die reichen Verwandten, die die Ausbildung meines Großvaters in einem Piaristengymnasium bezahlt hatten, wollte ja sogar, dass er Priester wird - zum Glück hatte er andere Pläne... Allerdings war er wohl während des Großteils seines Lebens kein praktizierender Katholik. Meine Großmutter wurde hingegen in späteren Jahren wieder praktizierende Katholikin (den Glauben hatte sie wohl nie ganz verloren) - eine meiner Tanten brachte ihr noch auf's Totenbett einen Rosenkranz, damit sie diesen in den letzten Stunden beten konnte...
II. Kindheit und Jugend
Ich selbst wuchs aber, wie schon gesagt, in einer nicht-gläubigen Familie auf, allerdings in einer, in der viel Offenheit und Interesse für Kultur und Geschichte herrschte. Ich verschlang schon seit meiner frühesten Kindheit Bücher, und hatte auch immer wieder sog. "Phasen", wo ich mich einfach in ein Thema völlig einarbeitete und alles dazu las. Die erste dieser "Phasen" hatte ich mit etwa sechs-sieben Jahren: sie begann, als ich eine sehr gutes Buch mit Bibelgeschichten aus dem Alten Testament für Kinder bekam. Ich war hellauf begeistert von den humorvoll und interessant geschriebenen Geschichten (zunächst natürlich nicht von einem religiösen Standpunkt her), und kannte bald das Meiste, was in der Bibel stand.
Auch später interessierte ich mich aus allgemeinem kulturellen Interesse für die Religion, die Kirchengeschichte, die Heiligen, die religiöse Kunst (eine Kunstgeschichte-"Phase" hatte ich natürlich auch :-)). Zudem lebten wir zwischen 1983 und 1988 (da war ich zwischen vier und neun Jahre alt) in Österreich, und hier ist ja der Religionsunterricht ein Teil des normalen Stundenplanes. Ich selbst musste als "o. r. B." (ohne religiöses Bekenntnis) natürlich nicht in den Religionsunterricht (was auch bedeutete, dass wir manchmal später kommen oder früher gehen konnten) - und ich war auch irgendwie stolz darauf, "anders" zu sein als die meisten anderen.
1990 kehrten wir - nach zwei Jahren in Ungarn - wieder nach Österreich zurück, und ich ging ab dann ins Gymnasium. Meine Klasse unterrichtete ab der 6. Klasse (10. Schulstufe) ein junger Priester in Religion - etwas, was doch recht ungewöhnlich ist, vor allem auf einer staatlichen Schule. Auf jeden Fall mochten wir ihn alle sehr gern, und ich unterhielt mich auf Reisen mit der Schulklasse gerne mit ihm über dies und das. Er meinte einmal später, dass ich mich mehr für die Kirchengeschichte und solche Dinge interessierte, als die meisten von denen, die den Religionsunterricht besuchten....
III. Kurz vorher
In all diesen Jahren kam mir allerdings nie in den Sinn, dass ich mal selbst gläubig werden könnte; selbst vor zwei Jahren noch hätte ich jeden ausgelacht, der mir das gesagt hätte. Ich empfand mich - sobald ich das Wort kannte - als Agnostikerin; ich behauptete nicht kategorisch, dass es Gott nicht gab, aber ich glaubte auch nicht wirklich daran - und außerdem war Er für mich und für mein Leben auch unerheblich.
Die ersten, vagen Anzeichen, dass das mal anders werden könnte, begannen vor ca. 4 Jahren, als ich über Monate, vielleicht auch über 1-2 Jahre hindurch manchmal plötzlich und unerwartet schreckliche Angst vor dem Tod hatte. Das war ein Gefühl, das mich immer ganz jäh überfiel und mich bedrückte. Ich beneidete in solchen Augenblicken jene Menschen, die an ein Leben nach dem Tod glauben konnten; gleichzeitig meinte ich aber auch, dass ich mich keinen Illusionen hingeben konnte, dass nachher noch etwas kommen würde.
IV. Erste Erlebnisse
Den eigentlichen Beginn meiner "Geschichte mit Gott" setze ich allerdings im August 2003 an. Ich war damals für ein paar Tage in Paris (ich hatte im Jahr 2001 für ein Semester dort studiert und fahre seitdem jedes Jahr hin, um Freunde zu besuchen). Drei Dinge dort brachten mich in Kontakt mit dem katholischen Glauben und beeindruckten mich:
- Ich ging einmal in die Kathedrale Notre-Dame, als gerade die Kommunion stattfand. Der äußere Rundgang der Kirche war voll mit Touristen während der Zeit; ich merkte aber, dass viele von ihnen sich zu den Leuten stellten, die zur Kommunion gingen. Ich sah dort also eine sehr lange Reihe von Menschen aus den verschiedensten Ländern, viele eher nur zufällig als Touristen an diesem Ort, wie sie alle gemeinsam zur Kommunion gingen. Es war ein beeindruckendes Bild der Kirche, ihrer Internationalität, ihres weltumfassenden Wesens.
- Am Sonntag ging ich dann spazieren und stolperte zufällig in eine Kirche hinein, die voller Menschen war - darunter viele junge Paare mit Kindern. Zunächst fiel mir nur auf, dass der Priester auf der Kanzel stand; dann kam er herunter und begann mit dem Rücken zu dem Menschen am Altar zu werken, während er Worte in einer unverständlichen Sprache sprach. Ich begriff: das war eine Tridentinische Messe! Ich dachte ja damals noch, dass diese verboten sei (allerdings war dieser konkrete Gottesdienst wirklich "illizit" - es handelte sich nämlich um Lefebvristen), deshalb schaute ich voller Interesse zu. Schließlich kam der Moment der Konsekration: alle knieten nieder, es war ganz still, und der Priester hob die Hostie empor. Da ich vorher nur Messen im Novus Ordo gesehen hatte, beeindruckte mich die Stille, die im alten Ritus bei der Wandlung herrscht (der Priester flüstert die Wandlungsworte ja nur). Erstmals konnte ich etwas Besonderes spüren...
- Das Dritte war ein Roman von Julien Green, Chaque homme dans sa nuit - ein Buch über einen jungen Katholiken im amerikanischen Süden und dessen privaten und spirituellen Kämpfen. Ich wollte immer schon mal was von Green lesen und kaufte auf eher gut Glück dieses Buch. Es beeindruckte mich sehr und erinnerte mich auch irgendwie an einen Arbeitskollegen (meinen späteren Taufpaten), dem ich das Buch später auch borgte.
Aber all dies war nur der Beginn, und nichts deutete darauf hin, dass sich bald etwas ändern würde. Die nächste Station setze ich bei einem Abend im Dezember 2003 an. Ich war an diesem Tag in der Innenstadt einkaufen und kam dann - draußen war es schon dunkel - auf dem Heimweg am Stephansdom vorbei. Ich ging hinein und starrte durch das Gitter in den leeren, dunklen Kirchenraum. In diesem Augenblick beneidete ich plötzlich jene, die glauben konnten; es kam erstmals eine gewissen Sehnsucht nach dem Glauben auf - doch gleichzeitig "wusste" ich, dass das bei mir nicht möglich war.
V. Begegnungen
Im Jänner wurden wir dann mit - dem auf diesen Seiten schon öfters erwähnten - man I used to love ein Paar. (Nennen wir ihn der Einfachheit halber A.) Ich wusste bereits recht früh, dass er gläubiger Katholik war, doch beschäftigte ich mich zunächst nicht so besonders damit. Ich respektierte seinen Glauben allerdings sehr, weil ich ihn als echt und tief empfunden erkannte. (Ich hatte früher einen anderen Freund gehabt, der zwar eher ein "Weihnachtskatholik" war, aber trotzdem darauf bestand, dass, sollten wir mal Kinder haben, diese getauft werden sollten, "weil meine Oma hätte das so gern". Ich lehnte natürlich entrüstet ab. Bei A. hingegen wäre ich dazu bereit gewesen; denn ich wusste, dass es ihm wirklich wichtig war und er den Glauben wirklich lebte.)
Im März 2004 schauten wir uns dann im Kino Die Passion Christi an und hatten nachher ein langes Gespräch darüber, sowie allgemein über den Glauben. Da erzählte A. mir, dass er erst mit 23 zum Katholizismus konvertiert und getauft worden war. Ich war überrascht; ich hatte mir immer vorgestellt, dass "normale" Leute, die gläubig waren, bereits im Glauben aufgewachsen waren und nie etwas anderes gekannt hatten; in meinem Weltbild gab's natürlich auch Konvertiten, nur waren das irgendwelche Irre, die Visionen von Jesus oder der Muttergottes hatten und sich daraufhin bekehrten. Deshalb war ich überrascht, dass ein "normaler" Mensch Konvertit sein konnte - was natürlich mein Interesse am Glauben nur weiter anheizte...
Bald stieß ich dann eher zufällig auf die Schriften von G. K. Chesterton. Ich las zunächst The Superstition of Divorce und The Catholic Church and Conversion - und war begeistert. Vorher hatte ich gedacht, religiöse Apologetik sei irgendwie was Salbungsvolles und Langweiliges; in Chesterton lernte ich aber einen Autor kennen, der humorvoll, satirisch, spitz und respektlos war - und gleichzeitig voller Begeisterung für den Glauben und die Kirche. Ich erkannte, dass die Kirche - gegenüber den intellektuellen Moden der jeweiligen Zeit - die menschlichen Werte und den gesunden Menschenverstand verkörperte, die Gemeinschaft der Menschen miteinander und mit Gott beschützte.
VI. Sehnsucht
Obwohl ich also auf dem richtigen Weg war, meinte ich zunächst, nicht glauben zu können. Ich ging einmal so zur Probe in den Stephansdom, versuchte dort zu beten - doch bald dachte ich: Was tue ich denn hier? Da ist doch niemand! Dann blieb ich noch bis zur Messe da, kam mir aber dort irgendwie gar nicht zugehörig vor und ging noch vor der Kommunion. Ich dachte mir eben, dass ich, trotz aller Sehnsucht, eben "religiös unmusikalisch" ((c) Habermas) sei.
Gegen April wurde die Sehnsucht aber immer stärker; ich betrachtete mich als Suchende, wusste aber nicht so genau, was ich suchte. Ich dachte immer wieder daran, mal den ehemaligen Religionslehrer meiner Klasse (den einzigen Priester, den ich kannte) zu kontaktieren: doch was sollte ich ihm sagen?
Schließlich durchschnitt der Herr selbst den Gordischen Knoten.
VII. Katechumenat und Taufe
Ich las in der nachfolgenden Zeit (und eigentlich bis heute) enorm viel zum Glauben; zunächst ging es hauptsächlich darum, die Grundlagen besser zu verstehen (ich hatte ja schon durch meine früheren Interessen eine gute Basis und kannte die grundlegenden Charakteristika des katholischen Glaubens). Ich wusste zunächst auch nicht genau, warum ich ausgerechnet katholisch werden wollte, und handelte erstmals dem Gefühl nach - erst später wurde es mir klar, dass ich mich richtig entschieden hatte. Und die Kohärenz des Ganzen machte mir auch bewusst, dass man sich auch nicht auswählen konnte, woran man sich hielt und woran man sich nicht hielt - wenn man den Glauben ernst nahm, war kein pick and choose möglich. (Mehr darüber hier.)
Als ich meinen Eltern erstmals davon erzählte (das war mehr als ein Monat nach meinem Konversionserlebnis), waren sie zunächst erschüttert und enttäuscht. Sie glaubten, ich hätte irgendein Problem; ich war ihnen plötzlich fremd geworden. Meine Mutter sagte: "Warum ausgerechnet katholisch? Ich hätte gedacht, wenn Du schon mal zu etwas konvertierst, dann wenigstens zu was Toleranterem..."
Sie fanden sich aber bald damit ab; mein Vater hatte dann auch schnell überhaupt keine Probleme mehr damit - er betrachtet die Kirche vom Manager-Standpunkt aus und hat aus dieser Sicht hauptsächlich Bewunderung für sie übrig... :-) Meiner Mutter fiel es bedeutend schwerer (ich glaube, sie hat sich bis zum heutigen Tag nicht ganz damit versöhnt), aber sie akzeptierte es und sah auch, dass es mir damit gutging und ich glücklich darüber war. Als die Taufe kam, wollten sie natürlich beide dabeisein (meine Schwester lebt derzeit in Schweden, weswegen sie nicht dort sein konnte), und machten ausgiebig Fotos, die bis zum heutigen Tag allen möglichen Verwandten gezeigt werden...
Meine Freunde waren da weniger problematisch, obwohl ein-zwei Leute eher unfreundlich reagierten. Viele andere fanden es hingegen gut, freuten sich darüber, oder sagten wenigstens: wenn du's willst, dann ist es in Ordnung... Auch viele meiner Arbeitskollegen freuten sich ebenfalls und waren beeindruckt (von einem Kollegen erfuhr ich überhaupt erst unter diesen Umständen, dass er Katholik war...).
Am ersten Adventsonntag fand dann meine offizielle Aufnahme ins Katechumenat statt: ich wurde auf Stirn und Hände mit Katechumenenöl gesalbt und mein späterer Taufpate musste als Bürge bezeugen, "dass sie würdig ist". Am 9. Jänner (in diesem Jahr Tag der Taufe des Herrn) wurde ich dann schließlich getauft, gefirmt und empfing die Erstkommunion. Ich hätte mich natürlich auch erst in der Osternacht taufen lassen können - aber ich wollte aus irgendeinem Gefühl heraus die Fastenzeit bereits als Katholikin erleben. Aber auch so geschah meine Taufe ziemlich genau acht Monate nach meiner Bekehrung.
Zum Abschluss kann ich wirklich nur sagen, was ich auch schon hier geschrieben habe:
DEO GRATIAS!
Labels: biographica, ecclesia


18 Comments:
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Danke für die netten Worte!
Besonders schön finde ich, dass Du diesen Glauben auch mit Deinem Freund teilen kannst.
"konntest", "konntest"... Das war ja auch das besonders Schmerzhafte, dass ich gedacht habe, wir passen ja gerade auch deswegen gut zusammen... War halt nicht.
Aber ich habe immerhin auch weiterhin in ihm und in seinem Umfeld (vor allem in seiner Mutter, die ein Jahr nach ihrem Sohn (!) zum katholischen Glauben konvertierte und sich taufen ließ) eine Stütze und einen Ansprechpartner (und zudem in ihm auch einen treuen Leser meines Blogs :-)).
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Matthias, hast Du eigentlich Deine eigene Geschichte schon mal irgendwo gepostet? Würde ich interessant finden...
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Hallo Felsin :-)
Heute habe ich mir die Zeit nehmen können und Deine Geschichte gelesen. Ein herzliches Danke dafür.
Besonders bemerkenswert: das "ungewollte" Erlebnis bzw. das Gefischtwerden während der Wandlung ist der Auslöser der Bekehrung. Das war auch bei mir so und ebenso war es bei einer anderen Konvertitin hier in Tübingen. Es stellt einen so unmittelbar in die Mitte des Glaubens, dass man sich dem nicht mehr entziehen kann, auch wenn der rituelle Vollzug noch eine Weile dauern kann.
Madam,
Sir,
Demographics: http://www.geocities.com/demographic_crash
is a web. site about the POPULATION - BUST
that will affect a lot of countries
when the first BABYBOOMERS
reach retiring age around 2011.
Welcome for a visit.
Sincerely,
Solange Miller
Hallo Petra,
ich surfe gerade zufällig auf Deine Seite. Muss denn unbedingt jeder seine Konversionsgeschichte öffentlich machen, fast beichten ? Wer denkt eigentlich an säkular gesinnte Gelegenheitssurfer, die von diesem seelischen Exhibitionismus in einem vollkommen öffentlichen Medium - wie es nicht passwortgeschützte Blogs nun einmal sind - eher abgstoßen werden ?
Das Zitat "Religion ist seelischer Exhibitionismus" habe ich übrigens von einem Politiker (Horst Ehmke, ehemaliger Chef des Bundeskanzleramt unter Willi Brandt)gehört. Leider ist es mir beim Überfliegen Deines Berichts eingefallen.
Eddi
Hallo Petra,
finde Deinen Blogg wirklich sehr hilfreich, schön und berührend. Da ich mich auch mit dem Gedanken einer Konversion trage ist es für mich ein großes Geschenk eine Gleichgesinnte hier vorzufinden.
Liebe Grüße nach Wien aus Freiburg/D
von Walter
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Liebe Petra!
Danke für Deinen Blogg! Es ist vermutlich für so manchen Fernstehenden ein wichtiges Zeugnis.
Das mit Deinem A. tut mir sehr leid, aber möglicherweise hat Gott ihn Dir für deine "Bekehrung" zur Seite gestellt und hat nun mit euch beiden etwas anderes vor. Und ich bin überzeugt, das, was er mit Dir vor hat, wird reiche Frucht bringen!
Nachdem du es nicht erwähnt hast, nehme ich an, dass du noch nicht dort warst:
Besuch mal Medjugorje (www.medjugorje.hr) und lass Dich dort von der Gnadenfülle Gottes treffen!
Ich freu' mich mit Dir!
lg Martin
Reply!?
Gruesse aus dem christlichen Viertel der Altstadt Jerusalems.
Willkommen im Club und viel Mut fuer die weitere Kreuzesnachfolge.
Da ich deine Kontaktadresse verloren habe, versuche ich mein Glueck mittels Kommentars. Wuerde mich ueber Rueckmeldung freuen: christianm@catholic.org
Christian alias Rembert
Ich bin von Deiner Geschichte sehr bewegt und gestärkt. Ich lese sie wie ein Zeugnis für die erlebbaren Handlungen Gottes an uns.
Wir sind in seinen Händen sicher, auch wenn Seine "Ökonomie" uns nicht allein irdische Vorteile verspricht. Meine eigene Erfahrung der Tiefe der Liebe Gottes liegt nunmehr neunzehn Jahre zurück, aber ich kann es heute noch genauso sagen: es lohnt sich unserem Gott treu zu bleiben.
Viele Grüße
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Iza, Roberto Iza
Muy Señores Míos:
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Gracias y recuerdos
Iza, Roberto Iza
Hallo Petra - eine wunderbare Geschichte, die Du uns hier geschenkt hast. Ich selbst bin mit 19 aus der Evangelischen Kirche ausgetreten und habe - nunmehr nach immerhin zehn Jahren - mit meiner Konversion zum Katholischen Glauben den Weg wiedergefunden. Ich kann nachempfinden, was Du beschreibst und eigentlich sprichst Du mir wirklich und einfach aus der Seele, Hut ab! Habe Deine Seite zu meiner Blogroll hinzugefügt - liebe Grüsse, Oliver
Hallo Petra - eine wunderbare Geschichte, die Du uns hier geschenkt hast. Ich selbst bin mit 19 aus der Evangelischen Kirche ausgetreten und habe - nunmehr nach immerhin zehn Jahren - mit meiner Konversion zum Katholischen Glauben den Weg wiedergefunden. Ich kann nachempfinden, was Du beschreibst und eigentlich sprichst Du mir wirklich und einfach aus der Seele, Hut ab! Habe Deine Seite zu meiner Blogroll (http://www.digitalego.org) hinzugefügt - liebe Grüsse, Oliver
Liebe Petra,
dürfte ich deinen Bericht ins Spanisch übersetzen und in meinem Blog veröffentlichen?
viele herzliche Grüße aus Bonn!
Deo gratias!
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