Kardinal Schönborn in der
Gemeinschaft vom Lamm
Ich habe gestern den Hinweis von Georg aufgenommen und bin in die ehemalige Karmeliterkirche im 2. Wiener Gemeindebezirk gegangen, wo Kardinal Schönborn bei der Gemeinschaft vom Lamm die Hl. Messe zelebrierte. Der ganze Abend hat mich sehr beeindruckt - ich habe so viele Eindrücke mitgenommen, dass ich sie hier gar nicht alle wiedergeben kann...
Auf den Gesangszetteln war zwar "Jugendmesse" angegeben, doch es war ganz anders, als was man sonst von Veranstaltungen mit diesem Titel gewohnt ist: vielmehr so, wie eine "Jugendmesse" wirklich sein sollte, nämlich eine Hinführung der Jugend zu Gott.
Mit einem Wort: Es war wunderschön, die Kleinen Schwestern sangen mit Engelsstimmen (ist gutes Singen etwa eine Gabe des Heiligen Geistes, die bei der Profess übertragen wird? ;-) - das habe ich mich bei den Benediktinerinnen vom Begijnhof in Brügge auch schon gefragt). Die Gemeinde war im Gebet ganz auf Christus ausgerichtet, keine Routine und schon gar keine Hektik...
Im Zentrum der Predigt von Kardinal Schönborn zu Lk 19,41-44 stand die Umkehr und Entscheidung: das Erkennen der Stunde.
"Manchmal frage ich mich: was macht Christus, wenn Er mich jetzt sieht? Weint Er auch? Oder freut Er sich? ... Und was denkt Er denn über Wien, wenn Er es jetzt sieht? Weint Er?..."
Nach Abschluss der Messe traf dann yours truly mit ihrem geschätzten Wiener Co-Blogger zusammen (eine Premiere!)... Georg führte mich dann noch zu anderen Leuten hin, und schließlich fanden wir uns im Pfarrsaal wieder, wo der Kardinal sich nachher mit Jugendlichen zusammensetzte und plauderte. Zuvor stellte ich mich noch dem Kardinal vor, küsste ihm die Hand (keine Ahnung, ob das überhaupt richtig war und ich das richtig gemacht habe - aber egal, Nachfolger der Apostel und so..) und erzählte ihm noch kurz, dass ich neu getauft sei und er zudem meinen Taufpaten kenne.
Anschließend setzte ich mich in den Pfarrsaal zur Plauderstunde mit dem Kardinal. Dieser war sehr nett und offen und versuchte, Kontakt und ein Gespräch mit den anwesenden Jugendlichen (hauptsächlich Ministranten aus diversen Pfarrgruppen sowie einige Schülerinnen und Schüler des Wiener Lycée français) aufzunehmen.
Offenbar waren viele der Anwesenden am WJT gewesen. Der Kardinal erzählte, dass der Papst nachher gemeint habe, der Weltjugendtag habe zwei Vorurteile über die Deutschen widerlegt: nämlich dass
a) die Jugendlichen in Deutschland den Papst nicht mögen, und
b) dass die Deutschen organisieren können... :-)
Sie, die Bischöfe, hätte etwa zwei Stunden auf einen Bus warten müssen, nur weil die Polizei diesen irgendwo nicht habe heranfahren lassen.
Daraufhin riefen einige im Saal: "Es gibt auch Deutsche hier!" Da sagte der Kardinal lächelnd: "Ihr seid halt in der Gemeinschaft der Völker angekommen..." :-)
Als ein Mädchen den Sonnenschein am Marienfeld bei der WJT-Abschlussmesse erwähnte, fiel dem Kardinal der Mitteleuropäische Katholikentag ein, wo es ein noch eindrucksvolleres Wetterphänomen gegeben hatte: eine Jugendmesse begann im Schneesturm (!; das war im Mai) - die Bischöfe wollten daraufhin die Messe wieder abblasen, doch der Prager Kardinal Vlk, "ein gestandener Kämpfer aus dem Kommunismus", habe sie dazu ermutigt, weiterzumachen. Der Budapester Kardinal Erdõ predigte völlig eingepackt in einen Regenschutz, weil um ihn herum der Schneesturm tobte. Daraufhin meinten die Bischöfe, die Eucharistie sei bei diesem Wetter nun wirklich unmöglich - doch wiederum ermunterte sie Kardinal Vlk, weiterzumachen.
Und tatsächlich: beim Sanctus rissen die Wolken plötzlich auf und eine strahlende Sonne kam heraus. Dieses Wetter dauerte genau... bis zum Ende der Kommunion. Nachher ging der Schneesturm wieder los. Wie der Kardinal sagte: "Da hat der Herr schon gezeigt, dass Er das alles souverän in der Hand hat."
Anschließend ließ der Kardinal einen jungen deutschen Priesteramtsanwärter aus dem Wiener Priesterseminar nach vorne kommen und seine Geschichte erzählen. Dieser stammte aus Thüringen, seine Familie war gar nicht gläubig; doch irgendwann begann er, an Gott zu glauben, zu beten, und teilte als Teenager seinen Eltern mit, er wolle katholisch werden. Diese waren gar nicht erfreut und meinten: "Katholiken sind keine guten Menschen. Wenn die jemanden umbringen, gehen sie nachher beichten, und dann ist alles wieder in Ordnung." ;-)
Der junge Mann ließ sich nicht entmutigen, sondern schließlich mit 18 taufen, und wurde dann bei der Bundeswehr (glücklicherweise) nach Bayern gesandt, wo er seinen Glauben besser praktizieren konnte. Er begann dann, Theologie zu studieren, wechselte nach Wien, wo es ihm gut gefiel - doch der Gedanke, Priester zu werden, ließ ihn nicht los. So traf er sich eines Tages mit dem Kardinal (!), erzählte ihm davon - und so geschah's. Er hat das vorige Jahr in Horn (nördliches Niederösterreich) in einem Vorbereitungskurs verbracht, und ist nun im Wiener Priesterseminar.
Im Laufe des weiteren Gesprächs sprach dann ein junger Bursche Schönborn darauf an, ob es denn in der Erzdiözese Wien einen Exorzisten gebe, und ob "dieser was zu tun" habe. Der Kardinal sagte, dieser habe in der Tat "sehr viel zu tun": der mit dem Exorzismus beauftragte Priester wird vom Erzbischof ernannt (der ja als Nachfolger der Apostel für diese Vollmacht zuständig ist). Dieser hat derzeit rund zehn andere Priester, die ihm helfen, Exorzismen durchzuführen. Man müsse natürlich zunächst einmal schauen, ob es sich um eine psychische Krankheit handelt oder nicht, sagte der Kardinal; doch es gebe sehr wohl genuine dämonische Besessenheit auch bei uns: "vor allem bei Menschen, die sich sehr in die Esoterik, sehr in die Magie eingelassen haben".
Zum Abschluss forderte der Kardinal dann die ebenfalls anwesende Sœur Marie, die Gründerin der Kleinen Schwestern vom Lamm, auf, noch etwas zu sagen. (Sie sprach auf Französisch, Schönborn übersetzte.)
Sœur Marie erzählte auf beeindruckende Weise, wie sie eines Nachts zum Herrn hinausgerufen hatte: "Herr, warum scheint das Böse überall zu triumphieren?" Daraufhin habe sie vom Herrn eine Antwort erhalten, die der Hl. Paulus im Brief an die Epheser schreibt: "Er hat in Seiner Person die Feindschaft getötet." Dadurch angespornt, wählte sie als Motto der jungen Gemeinschaft folgenden Satz, den sie uns auch anempfahl: "Selbst wenn ich verletzt werde, höre ich nie auf zu lieben." Sie ermunterte uns, Jenem nachzufolgen, der in Seiner Person die Feinschaft getötet hatte - "denn nur durch diese Liebe kann die Welt verändert werden".
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Auf den Gesangszetteln war zwar "Jugendmesse" angegeben, doch es war ganz anders, als was man sonst von Veranstaltungen mit diesem Titel gewohnt ist: vielmehr so, wie eine "Jugendmesse" wirklich sein sollte, nämlich eine Hinführung der Jugend zu Gott.
Mit einem Wort: Es war wunderschön, die Kleinen Schwestern sangen mit Engelsstimmen (ist gutes Singen etwa eine Gabe des Heiligen Geistes, die bei der Profess übertragen wird? ;-) - das habe ich mich bei den Benediktinerinnen vom Begijnhof in Brügge auch schon gefragt). Die Gemeinde war im Gebet ganz auf Christus ausgerichtet, keine Routine und schon gar keine Hektik...
Im Zentrum der Predigt von Kardinal Schönborn zu Lk 19,41-44 stand die Umkehr und Entscheidung: das Erkennen der Stunde.
"Manchmal frage ich mich: was macht Christus, wenn Er mich jetzt sieht? Weint Er auch? Oder freut Er sich? ... Und was denkt Er denn über Wien, wenn Er es jetzt sieht? Weint Er?..."
Nach Abschluss der Messe traf dann yours truly mit ihrem geschätzten Wiener Co-Blogger zusammen (eine Premiere!)... Georg führte mich dann noch zu anderen Leuten hin, und schließlich fanden wir uns im Pfarrsaal wieder, wo der Kardinal sich nachher mit Jugendlichen zusammensetzte und plauderte. Zuvor stellte ich mich noch dem Kardinal vor, küsste ihm die Hand (keine Ahnung, ob das überhaupt richtig war und ich das richtig gemacht habe - aber egal, Nachfolger der Apostel und so..) und erzählte ihm noch kurz, dass ich neu getauft sei und er zudem meinen Taufpaten kenne.
Anschließend setzte ich mich in den Pfarrsaal zur Plauderstunde mit dem Kardinal. Dieser war sehr nett und offen und versuchte, Kontakt und ein Gespräch mit den anwesenden Jugendlichen (hauptsächlich Ministranten aus diversen Pfarrgruppen sowie einige Schülerinnen und Schüler des Wiener Lycée français) aufzunehmen.
Offenbar waren viele der Anwesenden am WJT gewesen. Der Kardinal erzählte, dass der Papst nachher gemeint habe, der Weltjugendtag habe zwei Vorurteile über die Deutschen widerlegt: nämlich dass
a) die Jugendlichen in Deutschland den Papst nicht mögen, und
b) dass die Deutschen organisieren können... :-)
Sie, die Bischöfe, hätte etwa zwei Stunden auf einen Bus warten müssen, nur weil die Polizei diesen irgendwo nicht habe heranfahren lassen.
Daraufhin riefen einige im Saal: "Es gibt auch Deutsche hier!" Da sagte der Kardinal lächelnd: "Ihr seid halt in der Gemeinschaft der Völker angekommen..." :-)
Als ein Mädchen den Sonnenschein am Marienfeld bei der WJT-Abschlussmesse erwähnte, fiel dem Kardinal der Mitteleuropäische Katholikentag ein, wo es ein noch eindrucksvolleres Wetterphänomen gegeben hatte: eine Jugendmesse begann im Schneesturm (!; das war im Mai) - die Bischöfe wollten daraufhin die Messe wieder abblasen, doch der Prager Kardinal Vlk, "ein gestandener Kämpfer aus dem Kommunismus", habe sie dazu ermutigt, weiterzumachen. Der Budapester Kardinal Erdõ predigte völlig eingepackt in einen Regenschutz, weil um ihn herum der Schneesturm tobte. Daraufhin meinten die Bischöfe, die Eucharistie sei bei diesem Wetter nun wirklich unmöglich - doch wiederum ermunterte sie Kardinal Vlk, weiterzumachen.
Und tatsächlich: beim Sanctus rissen die Wolken plötzlich auf und eine strahlende Sonne kam heraus. Dieses Wetter dauerte genau... bis zum Ende der Kommunion. Nachher ging der Schneesturm wieder los. Wie der Kardinal sagte: "Da hat der Herr schon gezeigt, dass Er das alles souverän in der Hand hat."
Anschließend ließ der Kardinal einen jungen deutschen Priesteramtsanwärter aus dem Wiener Priesterseminar nach vorne kommen und seine Geschichte erzählen. Dieser stammte aus Thüringen, seine Familie war gar nicht gläubig; doch irgendwann begann er, an Gott zu glauben, zu beten, und teilte als Teenager seinen Eltern mit, er wolle katholisch werden. Diese waren gar nicht erfreut und meinten: "Katholiken sind keine guten Menschen. Wenn die jemanden umbringen, gehen sie nachher beichten, und dann ist alles wieder in Ordnung." ;-)
Der junge Mann ließ sich nicht entmutigen, sondern schließlich mit 18 taufen, und wurde dann bei der Bundeswehr (glücklicherweise) nach Bayern gesandt, wo er seinen Glauben besser praktizieren konnte. Er begann dann, Theologie zu studieren, wechselte nach Wien, wo es ihm gut gefiel - doch der Gedanke, Priester zu werden, ließ ihn nicht los. So traf er sich eines Tages mit dem Kardinal (!), erzählte ihm davon - und so geschah's. Er hat das vorige Jahr in Horn (nördliches Niederösterreich) in einem Vorbereitungskurs verbracht, und ist nun im Wiener Priesterseminar.
Im Laufe des weiteren Gesprächs sprach dann ein junger Bursche Schönborn darauf an, ob es denn in der Erzdiözese Wien einen Exorzisten gebe, und ob "dieser was zu tun" habe. Der Kardinal sagte, dieser habe in der Tat "sehr viel zu tun": der mit dem Exorzismus beauftragte Priester wird vom Erzbischof ernannt (der ja als Nachfolger der Apostel für diese Vollmacht zuständig ist). Dieser hat derzeit rund zehn andere Priester, die ihm helfen, Exorzismen durchzuführen. Man müsse natürlich zunächst einmal schauen, ob es sich um eine psychische Krankheit handelt oder nicht, sagte der Kardinal; doch es gebe sehr wohl genuine dämonische Besessenheit auch bei uns: "vor allem bei Menschen, die sich sehr in die Esoterik, sehr in die Magie eingelassen haben".
Zum Abschluss forderte der Kardinal dann die ebenfalls anwesende Sœur Marie, die Gründerin der Kleinen Schwestern vom Lamm, auf, noch etwas zu sagen. (Sie sprach auf Französisch, Schönborn übersetzte.)
Sœur Marie erzählte auf beeindruckende Weise, wie sie eines Nachts zum Herrn hinausgerufen hatte: "Herr, warum scheint das Böse überall zu triumphieren?" Daraufhin habe sie vom Herrn eine Antwort erhalten, die der Hl. Paulus im Brief an die Epheser schreibt: "Er hat in Seiner Person die Feindschaft getötet." Dadurch angespornt, wählte sie als Motto der jungen Gemeinschaft folgenden Satz, den sie uns auch anempfahl: "Selbst wenn ich verletzt werde, höre ich nie auf zu lieben." Sie ermunterte uns, Jenem nachzufolgen, der in Seiner Person die Feinschaft getötet hatte - "denn nur durch diese Liebe kann die Welt verändert werden".
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10 Comments:
Danke, Petra, für diesen aufbauenden Bericht! Tut gut!
Da habe ich tatsächlich vielmehr versäumt, als ich ahnte-ach immer diese Stress für uns arme Familienväter. Allerdings ging es mir beim ersten Mal schon genauso -frére Jean Baptiste, der Prior der kl. Brüder hatte mir damals danach berichtet,also hätte ich es wissen sollen.....na vielleicht wirds am 1. Dezember was....hoffentlich! Deus providebit! oder wie scipio sagen würde mphc:-)PS:
Mich hats übrigens auch sehr gefreut, dich wenigstens kurz kennen zu lernen!
Ja, der zeichenhafte Ausdruck in der Liturgie kommt nicht zu kurz. Und schön singen die Schwestern. Die Lieder sind großteils unbekannt und recht feingliedrig. Folge davon: die Gemeinde schaut zu, die Lämmer machen's. Eine Jugendmesse, in der die Jugendlichen auch mal zuschauen dürfen. Ein bißchen von einer Werbeveranstaltung. Und mit dem Kardinal hinterher im Gespräch - das ist wirklich nett ...
amandus semi- amabiliter describens (quod vidit?)forsitan nucleum non inventus est........
ist gutes Singen etwa eine Gabe des Heiligen Geistes, die bei der Profess übertragen wird?
Gutes Singen ist definitiv eine Gabe des Heiligen Geistes! Sie wird aber vorzugsweise durch regelmäßiges Praktizieren und eventuell durch gute Chorleiter, Gesangslehrer, etc. übertragen ;-)
Sie wird aber vorzugsweise durch regelmäßiges Praktizieren
Wenn ich mir allerdings vorstelle, dass jemand mit dem musikalischen Gehör mancher Leute, die ich kenne, in einen Orden eintritt und dort mitsingt... Da muss der Hl. Geist schon ordentlich nachhelfen, damit das was wird! :-)
amandus semi- amabiliter describens (quod vidit?)forsitan nucleum non inventus est........
???? Was heißt "forsitan"?
forsitan= vielleicht
"Amandus, der halb-freundlich beschreibt (was er gesehen hat?), hat vielleicht den Kern nicht entdeckt..."
Heißt es das?
Das »semi« trifft die Sache nicht so ganz, denn beim vorletzten Mal fand ich die Liturgie an sich feierlich und sorgfältig dargebracht. Es sind ein paar andere Dinge, die ich angedeutet, doch noch nicht ganz zuende reflektiert habe.
@Petra: ich habe vergeblich in alle Richtungen gegoogelt um herauszufinden, wie man ein ungarisches »ő« per Tastenkombination auf einem Windows-System (schäm ...) zustandebringt. Die Zeichentabelle beschreibt dies als »U+0151«, nur kann ich mit dem »U« nichts anfangen. Die verwendete Schrift besitzt dieses ungarische o mit Doppel-Akut. Gibt es noch einen anderen Weg, dieses Sonderzeichen ohne Copy&Paste einzugeben?
@Petra: Gestern abend fand ich doch noch die Lösung meiner Frage. Das »U« steht für Unicode, das von mir gewünschte Sonderzeichen (nur aus deutschsprachiger Sicht, selbstverständlich) gibt es per Tastenkombination nur um den Preis eines neuen Tastaturtreibers. Ich habe mich als Gelegenheitsschreiber für diesen entschieden:
http://www.vonrauch.de/kbd/eurde.html
Unicode scheint überhaupt das Pendant des Katholischen in der Welt der Codepages zu sein... :-)
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