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Mittwoch, 17. Mai 2006

Maria III: Frau der Mittlerschaft

Eine der am meisten missverstandenen Rollen der Jungfrau Maria ist jene der Fürsprecherin, oder - horribile dictu! - der "Mittlerin". Ist denn nicht Jesus Christus der einzige Mittler zwischen dem Vater und den Menschen? Wird hier ein Geschöpf in einen quasigöttlichen Status erhoben, der ihm nicht gemäß ist? Berechtigte Fragen...

Zuerst einmal ist festzuhalten, dass tatsächlich Jesus Christus der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen ist. Maria gewinnt nur durch Ihn Bedeutung, als Seine Mutter, als jene, die Ihn auf die Welt gebracht hat, die durch Ihr "fiat" die Inkarnation möglich gemacht hat.

Und hier sehen wir auch schon, was es mit der Mittlerschaft Marias auf sich hat: es ist die Mittlerschaft der Menschen, die Mittlerschaft der Kirche - jene Mittlerschaft, die Gott, Der sich in Jesus Christus offenbart hat, in die Welt bringt, zu den Menschen bringt.

Gott offenbart sich nicht jedem Menschen einzeln, er haut nicht jedem einzeln auf dem Kopf mit dem Ruf "hier bin ich!"; Er wirkt durch Menschen, durch die Vermittlung von Menschen, die die Frohe Botschaft zu ihren Mitmenschen tragen. Und weil Maria in diesem Sinne die "Mittlerin", die Vermittlerin des in Jesus Christus erschienen Heils par excellence ist, erscheint sie erneut als ein Abbild der Kirche, die zu allen Zeiten genau das Gleiche tut: Christus zu allen Menschen bringen.

Diese Mittlerschaft schmälert die Einzigartigkeit des Gottmenschen Jesus in keiner Weise; Er ist "der Weg, die Wahrheit und das Leben". Niemand kommt zum Vater, außer durch Ihn. Die menschliche Mittlerschaft Marias - die in der Mittlerschaft der Apostel und der Kirche aller Zeiten ihre Fortsetzung findet - führt uns aber vor Augen, dass Gott tatsächlich mit uns, für uns Sein Reich errichten will.

Er verwendet daher uns, schwache Geschöpfe, um Sein Wort weiterzutragen, um die Erfahrung in der Begegnung mit Ihm weiterzugeben. Wie schon im ersten Beitrag geschrieben, schmälert diese unsere Mitarbeit am Werk Gottes Seinen Ruhm in keiner Weise, vielmehrt lässt sie ihn in noch strahlenderem Licht erscheinen, denn schließlich ist alles, was wir weitergeben können, nur ein Abglanz Seiner Herrlichkeit - und alle Herrlichkeit kommt von Ihm, keine von uns.

Man könnte freilich sagen: gut, aber was hat das alles mit Maria zu tun? Sie hat zwar Gottes Sohn zur Welt gebracht, aber sie hat nicht verkündet, gepredigt, das Wort Gottes weitergegeben... Wie kann sie trotzdem Mittlerin sein, ohne dass man sie auf eine Stufe mit Gott selbst stellt?

Der Text einer Andacht, die ich seit einigen Monaten täglich bete, mag dafür vielleicht eine Erklärung geben, worin die Mittlerschaft Marias besteht. Es handelt sich um eine Novene zur Jungfrau von der Wunderbaren Medaille, zu "Maria, der Vermittlerin aller Gnaden".

Die einzelnen Geheimnisse, die in der Novene betrachtet werden, sind die folgenden:

1. Geheimnis der Menschwerdung - "denn durch deine Vermittlung kam Gott auf diese Welt zu uns herab".

2. Geheimnis der Heimsuchung Elisabeths - "denn durch deine Vermittlung hat Gott Johannes den Täufer geheiligt".

3. Geheimnis der Geburt Christi - "denn du hast das Jesuskind den Hirten gezeigt".

4. Geheimnis der Anbetung der Hl. Drei Könige - "denn du hast sie dem Jesuskind vorgestellt".

5. Geheimnis der Darstellung Jesu - "denn du hast das Jesulein in die Arme des greisen Simeon gelegt".

6. Geheimnis der Verwandlung von Wasser in Wein auf der Hochzeit zu Kana - "denn durch deine Vermittlung hat Jesus sein erstes Wunder gewirkt".

7. Geheimnis von Golgatha - "denn dort bist du als Mittlerin zwischen Gott und den Menschen gestanden und hat dich Jesus uns als Mutter geoffenbart".

8. Geheimnis der Herabkunft des Heiligen Geistes - "denn du hast den Heiligen Geist durch die Macht deines Gebetes auf diese Welt herabgerufen".

9. Und zuletzt: "Wir verehren dich als die Vermittlerin im Himmel; denn wir halten es für sicher, dass uns Gott durch deine Vermittlung alle Gnaden spendet."


In der Betrachtung dieser Geheimnisse wird klar, wie die Mittlerschaft Marias zu verstehen ist: einerseits durch das "Herantragen" Christi - hier im Wortsinn! - an andere (siehe Geheimnisse des 2.-5. Tages), andererseits durch die Fürsprache (6. und 8.), und drittens durch die besondere Position, die Maria als Gottesmutter zwischen Gott und Mensch einnimmt (1. und 7.).

So gesehen ist die Schlussfolgerung, die das Gebet des 9. Tages zieht, verständlich: wenn Maria schon zu Lebzeiten so eine besondere Rolle innehatte, Menschen durch das Jesuskind zu heiligen, und sie die Macht ihrer Fürsprache bereits in dieser Zeit zeigte (besonders deutlich bei der Hochzeit zu Kana), können wir darauf vertrauen, dass Gott ihr diese Funktion der "Heiligerin" und Fürsprecherin nicht wegnehmen wird, sondern noch mehr auf das Gebet Seiner Mutter hören wird.

Die Liebe und das Vertrauen, die so viele Generationen der Muttergottes entgegengebracht haben und -bringen, entstammt genau diesem tiefen Glauben: dass Maria, die liebevolle Mutter des Wortes, das Fleisch geworden ist, die Zeugin der wichtigsten Ereignisse in Seinem Leben und "Geburtshelferin" der jungen Kirche am Pfingsttag, diese besondere Gnade, die Gott ihr zukommen ließ, auch im Himmel einsetzen wird, um die Menschen zu beschützen, zu führen und zu trösten.


4 Comments:

Blogger Unionsbuerger said...

Nur das Sohn-Vater-Verhältnis ist wichtig im Christentum.

www.chartaland.de

5/21/2006 07:09:00 PM  
Blogger sttn said...

Wenn Du Dich mal ausführlicher informierst (z.B.: mal diesen Blog hier intensiver liest) wirst Du feststellen das das Christentum doch deutlich mehr ist als Deine 7 Worte ausdrücken.

5/21/2006 11:40:00 PM  
Blogger Petra said...

Na ja, man kann's ja auch umgekehrt sehen: der Protestantismus hat das weibliche Element im Christentum so lange ignoriert (siehe die Worte von "Unionsbürger" hier), dass sie das irgendwie "gutmachen" mussten (Pastorinnen, Bischöfinnen, usw.).... ;-)

Mal ganz abgesehen davon, dass das der Standpunkt "sola Sohn-Vater-Verhältnis" nichts weniger tut als die Inkarnation implizit zu leugnen...)

5/22/2006 05:49:00 PM  
Blogger sttn said...

Über das was Unionsbürger genau meint bin ich mir nicht so im klaren. Der Beitrag, seine eigene Seite bzw. die Seite "www.chartaland.de" lassen viele Interpretatinsmöglichkeiten zu....

Zu Deinem Beitrag: Ich stimm Dir absolut zu.

Zu Deiner Maria-Reihe: Mir ist vor ein paar Tagen beim erneuten Lesen der Offenbarung das Kapitel 12 besonders aufgefallen.
Wenn man sich überlegt wann die Offenbarung entstanden ist und wer sie geschrieben hat, dann ist dieses Kapitel doch ein schönes Zeugnis dafür wie Maria von denen gesehen wurde die sie sogar persönlich kannten. Marienverehrung ist eindeutig "Urchristlich" - und biblisch. Auch hier irren weite Teile des Protestantismus wenn sie die katholische (+ orthodoxe) Haltung zur Maria kritisieren.

5/22/2006 11:11:00 PM  

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