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Donnerstag, 08. November 2007

Anstrich

Eine weitere Kleinigkeit ist die Pflege der äußeren Erscheinung. Sollte ein Geistlicher das Gegenteil behaupten, so würde ich ihn für einen schlechten Ratgeber halten. Je mehr die Frau, die in der Welt lebt, spürt, dass sie anfängt alt zu werden, um so wichtiger ist es für sie, nicht nur auf die Vertiefung des Gebetslebens zu achten, sondern sich auch - und gerade deswegen - um eine gepflegte äußere Erscheinung zu bemühen, selbstverständlich immer im Einklang mit dem Alter und den persönlichen Gegebenheiten. Je älter die Fassade wird, sage ich manchmal im Scherz, um so dringender bedarf sie des Anstrichs. Das ist ein priesterlicher Rat.

Der Hl. Josemaría Escrivá in einem langen Interview aus dem Jahr 1968 mit der Zeitschrift Telva.

Wer solche Anmerkungen - die ich übrigens erfrischend und treffend finde - für zu "machistisch" hält, der sei auf andere Passagen verwiesen, wo er sehr schön über die eheliche Berufung spricht, wie etwa hier:

Ich versäume keine Gelegenheit, um denen, die Gott zur Gründung einer Familie berufen hat, zu sagen, dass sie stets versuchen sollen, sich mit der gleichen freudigen Liebe zu begegnen, die sie als Brautleute zueinander hegten. Welch armselige Auffassung von der Ehe, die doch ein Sakrament, ein Ideal und eine Berufung ist, hat derjenige, der meint, die Liebe habe aufgehört, wenn die Sorgen und Schwierigkeiten beginnen, die das Leben stets mit sich bringt. Gerade dann festigt sich die Liebe. Selbst großes Leid und große Widrigkeiten können die wirkliche Liebe nicht zum Erlöschen bringen; im Gegenteil: das gemeinsame, großzügig getragene Opfer verbindet nur noch enger.

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4 Comments:

Blogger FrankM said...

>um so dringender bedarf sie des Anstrichs.

Hätte er diesen Satz auch im Bezug auf Männer von sich gegeben, wäre bestimmt nichts daran auszusetzen.

>Welch armselige Auffassung von der Ehe, ...

Glückselig diejenigen, die nie verheiratet waren und doch weise Sprüche darüber von sich geben können.

Frank
Orden des Leibowitz

11/10/2007 12:36:00 AM  
Blogger Petra said...

Hätte er diesen Satz auch im Bezug auf Männer von sich gegeben, wäre bestimmt nichts daran auszusetzen.

In dem Interview geht es hauptsächlich um die Frau - die Aussage gilt aber auch für den Mann. In anderen Passagen weist er ja darauf hin, dass sich die Männer auch Familie und Ehefrau hingeben sollen.

Glückselig diejenigen, die nie verheiratet waren und doch weise Sprüche darüber von sich geben können.

Ach, Frank, Du weißt doch ganz genau, dass er Recht hat...

Ich selbst habe schon zahlreiche Trennungen in meinem Leben erlebt, gerade deswegen gibt mir persönlich der Gedanke, dass die Ehe wirklich unauflöslich ist, viel Kraft. Ich denke, wenn beide Ehepartner diese Einstellung haben, dass es Scheidung gar nicht geben kann, ist einfach der Fokus und die Einstellung zur Ehe auch ein anderer: You're here, now deal with it! No opting-out possible!

Es ist mir bewusst, dass man im Augenblick einer Scheidung wirklich keine andere Möglichkeit mehr sieht. Nur geht dem immer ein oft jahrelanger Prozess voraus (ich habe das in meinem eigenen Leben auch schon erlebt), bei dem man in zunehmendem Maße "auseinanderrutscht". Interessant ist übrigens auch, dass viele Leute sich in (äußerlichen) Stresssituationen, z. B. Arbeitslosigkeit, chronische Krankheit eines Kindes usw. scheiden lassen - in solchen Fällen muss ich wirklich an Chestertons Buchtitel The Superstition of Divorce denken. Gerade, wenn Leute einander am meisten brauchen würden, reiten sie sich in Konflikte hinein und gehen dann auseinander...

11/10/2007 11:43:00 AM  
Blogger Phil said...

Und trtotzdem, bei allem Respekt vor Dir, Petra, bei aller Verehrung des St. Josemaria und bei aller Liebe zur Mater Ecclesia:

Natürlich ist es das heilige, das Martyrium des Alltags schlechthin, wenn man in der Ehe in wirklich schwierigen Zeiten zusammen hält. Ich habe Respekt & hochachtung davor und hoffe, daß, wenn ich mal unter der Haube bin, ich mich ähnlich verhalte. Und es ist für mich das beste Argument gegen den Spruch vom Pfarrer von Ars, der behauptete, daß kaum ein Ehepartner in den Himmel kommen würde (Heilige waren halt auch nicht frei von Irrtümern).
Man sollte jedoch auch wissen, daß Menschen fallen, manchmal tief fallen. Und daß Gott jeder gefallenen Seele, die umkehrt, nicht nur die hand entgegenstreckt, sondern ein Festmahl veranstaltet.
Ich habe bei meinem Vater nicht die zwei Scheidungen erlebt, aber ich weiß (btw. jeweils von beiden Seiten), daß mein Vater zwar in beiden Fällen die Scheidung einreichte, aber vorher wirklich alles menschenmögliche tat, um die Ehe zu retten. Ich möchte meinem Vater keine armselige Auffassung der Ehe unterstellen, wenn Du das tust oder St. Josemaria - ich verbiete niemanden eine Meinung, nur kennt ihr weder meinen Vater noch die jeweilige Situation (Ok, der Jose jetzt natürlich, aber das ist was anderes).
Und daß Gott auch in einer Geschiedenen Ehe Wunder wirken kann ,zeigt der Wunsch meiner Mutter vor ihrem Tod, meinen Vater "wieder zu heiraten".

Was jedoch den Anstrich angeht, finde ich das gar nicht machistisch, sondern eher den Frauen (und uns Männern, die wir halt hübsche Frauen... hübsch finden) entgegenkommend. Gerade von priesterlicher Seite erwartet man doch "gib Dich nicht der Welt hin" etc. - was dann manchmal als "trag keine Schminke auf" etc. verstanden wird, frei nach "Die Frau hat ihren Schmuck zu verbergen".

11/12/2007 08:30:00 PM  
Blogger Petra said...

Jetzt hat der blöde Blogger mein Posting einfach in den Orkus befördert... :-(

Nein, ich unterstelle niemandem etwas - und das tut wohl auch der Heilige nicht. Ich selbst habe auch schon genug Trennungen erlebt, um zu wissen, dass man irgendwann an einem Punkt angekommen ist, wo scheinbar nichts mehr geht. Ich habe aber auch Ehepaare erlebt (übrigens nicht religiöse), die über diesen Punkt hinweggegangen sind und wo sich dann - auf unterschiedlichen Niveaus - eine Balance eingependelt hat.

Am besten ist aber natürlich, wenn es gar nicht so weit kommt - aber dann muss man auch ganz bewusst "an der Beziehung arbeiten", die Tugenden üben, das Kreuz auf sich nehmen, miteinander reden, das Bewusstsein schärfen, dass diese Ehe für das ganze Leben gilt - und zwar beiderseits... Ich glaube, viele Probleme entstehen dann, wenn nicht beide die gleiche Einstellung zur Ehe haben.

Aber es ist wohl auch so, dass heute generell Scheidung so als Option im Hinterkopf ist, dass man sich selbst als frommer Katholik kaum davon freimachen kann. Und das ist glaube ich der Punkt, um den es dem Heiligen hier geht.

11/14/2007 10:54:00 AM  

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