Rosa in der Hölle
Rosa von Praunheim wird 65 und hat immer noch viel vor: z. B. einen Film mit einem interessanten Thema (das zu dieser Debatte passt):
Der Regisseur Rosa von Praunheim ("Die Bettwurst") plant als nächstes Projekt einen Film "über die Hölle". Das sei ihm "als Katholik ein Herzensanliegen", sagte Praunheim am Mittwoch in Berlin. (dpa)
AP weiß mehr dazu:
Er habe in der Katholischen Akademie erfahren, dass es zwar die Hölle gebe, aber niemand drin sitze, noch nicht einmal Verbrecher wie Adolf Hitler.
«Das ist der Ansatz für meinen Film», sagte von Praunheim, der in den 70er Jahren die Schwulen- und Lesbenbewegung in Deutschland mitbegründete und seit nunmehr 40 Jahren vor allem Filme zu homosexuellen Themen macht.
Irgendwie spannend. Es soll offenbar eine Doku werden. Doch wie geht ein homosexueller Filmemacher mit katholischem Hintergrund mit dem Thema um? Wird es eine Veräppelung? Eine Darstellung (halb-)häretischer Theorien (siehe AP)? Was wird der Zugang sein? Bin gespannt. (Auch wenn ich nicht weiß, ob ich mir den Film anschauen würde.)
Ich habe bisher von RvP nur einen Film gesehen, und zwar diesen hier - ein Streifen mit leider oft sehr deutlichen künstlerischen und handwerklichen Schwächen. Aber das ist in diesem Fall auch egal.
Der Regisseur Rosa von Praunheim ("Die Bettwurst") plant als nächstes Projekt einen Film "über die Hölle". Das sei ihm "als Katholik ein Herzensanliegen", sagte Praunheim am Mittwoch in Berlin. (dpa)
AP weiß mehr dazu:
Er habe in der Katholischen Akademie erfahren, dass es zwar die Hölle gebe, aber niemand drin sitze, noch nicht einmal Verbrecher wie Adolf Hitler.
«Das ist der Ansatz für meinen Film», sagte von Praunheim, der in den 70er Jahren die Schwulen- und Lesbenbewegung in Deutschland mitbegründete und seit nunmehr 40 Jahren vor allem Filme zu homosexuellen Themen macht.
Irgendwie spannend. Es soll offenbar eine Doku werden. Doch wie geht ein homosexueller Filmemacher mit katholischem Hintergrund mit dem Thema um? Wird es eine Veräppelung? Eine Darstellung (halb-)häretischer Theorien (siehe AP)? Was wird der Zugang sein? Bin gespannt. (Auch wenn ich nicht weiß, ob ich mir den Film anschauen würde.)
Ich habe bisher von RvP nur einen Film gesehen, und zwar diesen hier - ein Streifen mit leider oft sehr deutlichen künstlerischen und handwerklichen Schwächen. Aber das ist in diesem Fall auch egal.
Labels: cultura, theologica


8 Comments:
Was hat Heiner Geißler neulich im Fernsehen so schön gesagt, die Hölle sei mit dem Bild des barmherzigen Gottes nicht mehr vereinbar. Mir würden allerdings schon ein paar Namen einfallen, die ich eher in der Hölle vermuten würde. Ich glaube das die Gegenbewegung die Hölle mehr oder weniger abzuschaffen, wohl auch nicht die Reaktion auf den Fehler ist, Jahrhunderte lang dem Spruch gefolgt zu sein, dass es sich mit der Hölle besser regiere, als mit dem Himmel.
Ich finde dieses "nicht mehr" ja so köstlich... War es denn irgendwann vereinbar? Und wodurch ist es heute "nicht mehr" vereinbar?
Wie schrieb Chesterton so schön:
Some dogma, we are told, was credible in the twelfth century, but is not credible in the twentieth.
You might as well say that a certain philosophy can be believed on Mondays,
but cannot be believed on Tuesdays. (...) What a man can believe depends
upon his philosophy, not upon the clock or the century.
Ja, der gute Chesterton — ein ebenso witziger wie streitbarer Geist! Nur leidet sein berühmtes Zitat an einer Schwäche: es verkürzt die Aussage um ein kleines, aber entscheidendes Detail. Natürlich ist der Satz "Some dogma, we are told, was credible in the twelfth century, but is not credible in the twentieth" genau so, wie er dasteht, unsinnig. Nur behauptet das wohl auch niemand!
Die Behauptung (die, zugegeben, disputabel ist, der man auch nicht zustimmen muß, die aber andererseits auch keineswegs unsinnig ist, wie Chesterton insinuieren möchte!) lautet nämlich korrekterweise wie folgt:
"Some dogma, we are told, was regarded as credible in the twelfth century, but is not regarded as credible in the twentieth."
Wie gesagt — man kann über die Berchtigung, eine dogmatische Festlegung als nicht länger "glaub-würdig" anzusehen, geteilter Meinung sein 1 aber daß es sowas geben kann: das zu bestreiten wird mit nicht-dogmatischen Argumenten schwerfallen.
Lieber Le Penseur,
können Sie mir erklären, was dieses "nicht mehr" bedeutet? Ich muss sagen, ich verstehe es einfach nicht (einfach intellektuell nicht).
Denn üblicherweise kann eine Weltbild-Veränderung rein materiell nur durch naturwissenschaftliche Entdeckungen vor sich gehen. Doch die Naturwissenschaft kann naturgemäß nichts über die Existenz der Hölle, des Himmels Gottes usw. sagen, da das nicht in ihrem Bereich liegt. Worauf also bezieht sich dieses "nicht mehr"?
Vielleicht formuliert Chesterton ungenau, aber er hat m. E. Recht, wenn er sagt, dass es hier vor allem um die eigene Weltanschauung geht, die unreflektiert verallgemeinert wird. "Man kann nicht glauben" bedeutet doch in solchen Fällen nichts anderes als "ich kann/will nicht daran glauben", nicht?
In solchen Aussagen ist implizit viel Persönliches enthalten (von Stolz über die eigene geistige "Weiterentwicklung" bis zu Traurigkeit, Trotz usw.) - aber solche Aussagen sind eben per se persönlich. Sie dürfen also nicht als allgemein wahr hingestellt werden - was aber Leute wie Geißler gerade eben tun, wen sie das unpersönliche "man" verwenden.
@Petra:
Nun, die monierte Unverständlichkeit erklärt sich aus dem 2. Satz Ihres Zitates:
You might as well say that a certain philosophy can be believed on Mondays,
but cannot be believed on Tuesdays.
Das ist natürlich, so wie's dasteht, flagranter Unsinn. Insoferne ist Chesterton natürlich rechtzugeben, und insoferne haben Sie auch völlig recht, das "nicht mehr vereinbar" köstlich zu finden (ich würde dazu sagen: "Naja, Heier Geißler halt. Wenn man so Revue passieren läßt, was der alles so schon von sich gegeben hat ...").
Nur was meinte Geißler vermutlich? Ich denke etwa folgendes: "Aufgrund der von den meisten heutigen Theologen geteilten tieferen Einsicht in die Wirkungsweise der Barmherzigkeit Gottes ist es nicht länger vereinbar, die Existenz von Höllenstrafen weiterhin zu vertreten."
Ob das nun zutrifft, darüber nun kann man geteilter Meinung sein — unsere in die Bloggeschichte eingegangenen ;-) Diskurse beweisen es zur Genüge —, aber so expliziert ergibt sich natürlich klar daraus, daß es (unabhängig vom Wissen darum) eben entweder nie (das wäre z.B. meine Meinung), oder eben immer schon und noch vereinbar (vermutlich Ihre Meinung) war, ist und sein wird.
Geißler formuliert, mit einem Wort, schlampig (sind wir bei Politikern gewohnt). Chesterton hingegen führt (und das werfe ich einem so intelligenten Mann wie ihm schon ein bisserl vor) ein Scheinargument zwecks besserer Widerlegung durch.
Lieber Le Penseur,
so wie Sie das schreiben, klingt das eher nach "lehramtlicher Entwicklung" - und die wäre ja durchaus legitim, wenn das Ergebnis wirklich so wäre, wie Geißler sagt (dem ist aber nicht so, wie wir spätestens seit dem KKK wissen).
Ich glaube aber, Geißler verwendet hier eine Formulierung und Denkweise, die typisch modern ist, und darauf spielt m. E. Chesterton an. Es ist die gedankenlose Übernahme des naturwissenschaftlichen Entwicklungsdenkens und das Kommen und Gehen bestimmter "Denk-Moden" in den Bereich der Theologie. Ich glaube, Geißler meint mit dieser Formulierung viel mehr den Zeitgeist ("man" glaubt heute eben nicht "mehr" an die Hölle), als irgendeine doktrinäre Entwicklung. (Natürlich gibt es Theologen, die diese Position vertreten - aber in der kath. Kirche gibt es bekanntermaßen auch das Lehramt, das verbindlich sagt, was Sache ist.)
LP,
ohne mich weiter hier einmischen zu wollen, belegt doch gerade ihre letzte Ausführung, daß die Aussage Heiner Geißlers - auch so wie sie ihn interpretieren - nicht haltbar ist.
Sie sagen, daß man über die Frage geteilter Meinung sein kann und belegen es mit hiesigen Debatten.
Kann man aber dann noch sagen, daß
"es nicht länger vereinbar [ist], die Existenz von Höllenstrafen weiterhin zu vertreten"?
Schließlich ist dies eine sehr absolute, keine Ausnahmen duldene Aussage.
@Str:
Ja, man kann es sehr wohl, denke ich. Auch ich vertrete ja diese Meinung. Ich muß natürlich die Realität anerkennen, daß es auch Menschen mit anderer Meinung dazu gibt (was ich selbstredend tue), aber das ändert nicht daran, daß ich der MEinung bin, daß man vernünftigerweise diese andere Meinung nicht vertreten kann. Aber das ist das gemeinsame Problem aller nicht-naturwissenschaftlichen Fragestellungen, welche sich eben nicht durch Experimente, sondern nur durch diskursive Plausibilitätsargumentantion "lösen" lassen.
Kommentar veröffentlichen
<< Home