Spe salvi: Eine tour de force
Ich habe gestern Spe salvi in einem Aufwaschen gelesen, weiß aber nicht, ob ich bereits angemessen darüber schreiben kann. Der Text ist eine regelrechte tour de force, die das Thema von der Hoffnung der frühen Christen bis zum Jüngsten Gericht durchschreitet. Kirchenhistorische Aspekte, etwa die Weltsicht der ersten Christen, verbinden sich mit persönlichen Zeugnissen wie den Erlebnissen der Hl. Josephine Bakhita, des vietnamesischen Bekennerbischofs Kardinal Nguyen Van Thuan oder des ebenfalls vietnamesischen Märtyrers Paul Le Bao Thin. Die Seite der Hoffnung in der persönlichen Frömmigkeit, etwa im Gebet, wird genauso angesprochen wie die kollektive Natur der christlichen Hoffnung, die immer wieder herausgestellt wird.
Für mich am anregendsten war jedoch die Analyse der nicht-christlichen, ja anti-christlichen geistigen Entwicklungen, die zu einem Streben des Menschen nach Selbsterlösung führten. Der Papst führt als Urgrund dieser Ideen einerseits den unbändigen, rein materiell-wissenschaftlichen Fortschrittsglauben an, andererseits das an sich gute Streben nach Gerechtigkeit, das aber den Menschen, der sich von Gott abwendet, eben dazu führt, die Welt selbst "erlösen" zu wollen - was natürlich nicht gelingen kann.
Während andere Passagen zuweilen vielleicht etwas kryptisch, wenn auch nie allzu ausschweifend wirken (etwa die theologisch zweifellos wichtige Diskussion über die richtige Übersetzung von Heb 11,1), berücken die politischen Abschnitte durch ihren klaren Gedankengang und ihre scharfe Sicht, etwa in der Analyse, warum der Marxismus letztlich scheitern musste. Ich glaube, diese Abschnitte sollte wirklich jeder Mensch, unabhängig von seiner Weltanschauung und persönlicher Religion, lesen und bedenken. (Am besten wäre natürlich, wenn alle die ganze Enzyklika lesen, aber ich kann mir eben durchaus vorstellen, dass Nicht-Gläubige bei frömmeren oder theologischeren Passagen irgendwann einmal aussteigen.)
Zum Abschluss eine kleine Kostprobe (aus Pkt. 21):
Für mich am anregendsten war jedoch die Analyse der nicht-christlichen, ja anti-christlichen geistigen Entwicklungen, die zu einem Streben des Menschen nach Selbsterlösung führten. Der Papst führt als Urgrund dieser Ideen einerseits den unbändigen, rein materiell-wissenschaftlichen Fortschrittsglauben an, andererseits das an sich gute Streben nach Gerechtigkeit, das aber den Menschen, der sich von Gott abwendet, eben dazu führt, die Welt selbst "erlösen" zu wollen - was natürlich nicht gelingen kann.
Während andere Passagen zuweilen vielleicht etwas kryptisch, wenn auch nie allzu ausschweifend wirken (etwa die theologisch zweifellos wichtige Diskussion über die richtige Übersetzung von Heb 11,1), berücken die politischen Abschnitte durch ihren klaren Gedankengang und ihre scharfe Sicht, etwa in der Analyse, warum der Marxismus letztlich scheitern musste. Ich glaube, diese Abschnitte sollte wirklich jeder Mensch, unabhängig von seiner Weltanschauung und persönlicher Religion, lesen und bedenken. (Am besten wäre natürlich, wenn alle die ganze Enzyklika lesen, aber ich kann mir eben durchaus vorstellen, dass Nicht-Gläubige bei frömmeren oder theologischeren Passagen irgendwann einmal aussteigen.)
Zum Abschluss eine kleine Kostprobe (aus Pkt. 21):
Aber mit ihrem Sieg wurde auch der grundlegende Irrtum von Marx sichtbar. Er hat zwar sehr präzise gezeigt, wie der Umsturz zu bewerkstelligen ist. Aber er hat uns nicht gesagt, wie es dann weitergehen soll. Er setzte einfach voraus, daß mit der Enteignung der herrschenden Klasse und mit dem Sturz der politischen Macht, mit der Vergesellschaftung der Produktionsmittel das neue Jerusalem da sein werde. (...) Marx hat nicht nur versäumt, für die neue Welt die nötigen Ordnungen zu erdenken – derer sollte es ja nicht mehr bedürfen. Daß er darüber nichts sagt, ist von seinem Ansatz her logisch. Sein Irrtum liegt tiefer. Er hat vergessen, daß der Mensch immer ein Mensch bleibt. Er hat den Menschen vergessen, und er hat seine Freiheit vergessen. Er hat vergessen, daß die Freiheit immer auch Freiheit zum Bösen bleibt. Er glaubte, wenn die Ökonomie in Ordnung sei, sei von selbst alles in Ordnung. Sein eigentlicher Irrtum ist der Materialismus: Der Mensch ist eben nicht nur Produkt der ökonomischen Zustände, und man kann ihn allein von außen her, durch das Schaffen günstiger ökonomischer Bedingungen, nicht heilen.


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