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Freitag, 28. Dezember 2007

Abschied

Liebe Leute!

Ich war jetzt vor Weihnachten länger untergetaucht, und zwar nicht nur wegen der Vorbereitungen, sondern weil ich mir auch grundsätzliche Fragen über das Bloggen gestellt habe.

Nun bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich mit dem Bloggen aufhören werde. Es war eine sehr schöne, gnadenreiche Zeit, diese vergangenen zweieinhalb Jahre, ich habe viele wunderbare Leute kennengelernt, viel gelernt und erfahren. Ich bin wahnsinnig dankbar dafür (Euch und dem lieben Gott) und möchte diese Zeit nicht missen.

Nun ist aber, glaube ich, die Zeit gekommen, weiterzugehen, und vielleicht all das, was ich in der virtuellen Welt gelernt und erfahren habe, in der "wahren Welt" fruchtbar zu machen.

Ich werde daher ab sofort das Blogschreiben und auch das -lesen beenden. Ich bleibe aber natürlich weiterhin erreichbar und freue mich nach wie vor über E-Mails, Besuche und Treffen. Der Blog wird noch einige Zeit online sein, dann werde ich ihn wohl löschen.

Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut! Ich wünsche Euch allen Gottes Segen, eine gesegnete Weihnachtszeit und ein frohes neues Jahr!
Petra

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Sonntag, 16. Dezember 2007

Gedanken im Advent

Ein seltsamer Advent, dieses heurige... Und trotzdem wird mir dadurch klarer, was Advent eigentlich heißt, dass es nicht nur um "besinnliche" Stimmung und Friede, Freude, Eierkuchen geht. Es geht auch um eine große Sehnsucht, eine brennende Sehnsucht nach dem Herrn; um erwartende Freude; um ein inneres Bereitmachen. Haben denn nicht viele von uns - selbst, wenn sie keine praktizierenden Christen sind - irgendwie das Gefühl, sie müssten sich bereitmachen für Weihnachten: und das nicht nur im Sinn des Geschenkenkaufens und Festmahl-Kochens?

Oft wird ja vergessen, dass der Advent eine Fastenzeit ist - eine Zeit, die genauso wie die Fastenzeit vor Ostern zur Vorbereitung, zur inneren Reinigung, zur erneuten Hinwendung zum Herrn gedacht ist. Mir ist in diesem Advent wieder bewusst geworden, wie sehr ich mich nach dem Herrn sehne, wie sehr ich Ihn brauche. Dass da eine Sehnsucht da ist, die nichts anderes und niemand anderer stillen kann.

Es ist noch zu früh, um "Advent-Bilanz" zu ziehen - doch habe ich in dieser Zeit neben Leid auch große Gnaden erfahren können - insbesondere auch durch die Fürsorge der Gottesmutter. Freilich sind die Schwierigkeiten nicht zu Ende; es wird noch viele Kämpfe, Anfechtungen und Traurigkeit geben. Aber jetzt ist mir noch klarer als bisher: mein einziges Ziel ist das Kind in der Krippe. Ihn will ich lieben alle Tage meines Lebens. Amen.

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Donnerstag, 13. Dezember 2007

Hl. Luzia

Während in Westeuropa das Fest dieser altchristlichen Märtyrerin vor allem wegen der schwedischen Volksbräuche bekannt ist, hatte es früher in Ungarn eine ganz andere Bedeutung: das Fest der Hl. Luzia wurde als ein Tag gesehen, wo Geister und Dämonen ihr unwesen trieb und Zauberei angesagt war. So sperrte man in dieser Nacht Fenster und Türen zu und steckte Knoblauch in die Schlüssellöcher.

Der bekannteste Volksbrauch war die Fabrizierung des "Luzia-Stuhls" (lucaszék). Es handelte sich um einen kleinen Sessel aus neun verschiedenen Hölzern, den man bis Weihnachten zusammenbastelte. Wer den Stuhl in der weihnachtlichen Christmette in der Kirche aufstellte und sich daraufsetzte, konnte die Hexen des Dorfes erkennen, die an ihren Hörnern erkenntlich sein würden. Allerdings musste er danach sofort flüchten, denn sonst würden ihn die Hexen zerreißen. Zum Abschluss musste der Luzia-Stuhl verbrannt werden.

Auch Fruchtbarkeitszauber wurde an diesem Tag betrieben. So war das einer der Tage, wo es den Frauen verboten war zu arbeiten, denn das bringe Unglück. Es brachte wiederum Glück in der Hauswirtschaft, wenn an diesem Tag als erster ein Mann das Haus besuchte. Der am Luzia-Tag in ein Töpfchen gesäte Weizen sollte bis Weihnachten wachsen, dann wurde er an die Tiere verfüttert, damit diese gesund und fruchtbar blieben.

Die jungen Mädchen suchten wiederum an diesem Tag, den Namen ihres zukünftigen Gatten zu erfahren. So wurden etwa auf 12 Zettel 12 Namen geschrieben und die Zettel dann einzeln ins Feuer geworfen. Der Name auf dem Übrigbleibenden war jener des künftigen Ehemannes. In einer anderen Variante wurden die Zettel in Knödel gesteckt und diese zum Kochen aufgesetzt. Der zuerst an die Wasseroberflächende aufsteigende Knödel enthielt den Namen des Zukünftigen.


P.s.: Matthew von Shrine of the Holy Whapping hat kürzlich zwei schöne Bilder von Luzia veröffentlicht: ein subtileres und ein heftigeres.

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Mittwoch, 12. Dezember 2007

Der Wille Gottes

Vor einigen Tagen ist in den Kommentaren dieses Postings das Thema des Willens Gottes angeklungen.

Vergessen Sie einen Moment, immer nur darauf zu schielen, was "Gott will", sondern holen Sie einmal tief Luft und besinnen Sie sich, was Sie eigentlich wollen. Ganz tief reinhören ins Innere und sich klar werden, was Ihnen jetzt wichtig ist

- hieß es da.

Ich musste mir etwas Gedanken darüber machen, was das eigentlich heißt: "was ich will" - "was Gott will". Denn, da ich Gott vertraue, weiß ich, dass Er mir Gutes will - dass Er mich zur ewigen Glückseligkeit mit Sich führen will; und das ist ja auch das, was ich will, nicht?

So gesehen sind für mich die Fragen "was will Gott?" und "was will ich?" fast nicht zu trennen. (Irgendwie erinnert mich die Gegenüberstellung der beiden Fragen an die eine Szene in House M. D., wo House den Mann einer Patientin fragt: "Wollen Sie, dass Gott sie rettet - oder ich?" Als ob Gott nicht auch durch einen Arzt wirken könnte...)

"Was Gott will" definiere ich daher nicht ausschließlich als aktives "Wollen" (es kann sich auch um ein "Zulassen" handeln, etwa bei Sünde, Unglück und Krankheit), sondern als Gottes Führung und Vorsehung, wie sie sich im Laufe eines Lebens darstellen. Ich denke, "sich dem Willen Gottes fügen" bedeutet in diesem Zusammenhang, dass man die Höhen und Tiefen des Leben annimmt und sowohl im Positiven wie im Negativen Gottes Spuren erkennt. Das heißt etwa, dass man weder bei Erfolg hochmütig wird, noch bei Unglück endgültig verzweifelt (ich meine Verzweiflung als Abwendung von Gott - Trauer, auch Hadern mit Gott ist etwas anderes).

Es heißt, flexibel zu bleiben, sich nicht in den eigenen Vorstellungen zu verhärten, sich der Vorläufigkeit von allem bewusst zu sein. Natürlich sind diese Dinge auch mit dem gesunden Menschenverstand zu erkennen; doch all das ist eben leichter, wenn man seine letzte Hoffnung nicht in das Geschöpfliche setzt. (Ich habe in meinem Leben schon selbst erlebt, welche katastrophalen Folgen es haben kann, wenn jemand z. B. einen anderen Menschen als die Lösung aller seiner Probleme und quasi als seinen "Erlöser" betrachtet.)

Freilich gibt es aber auch einen anderen Aspekt von "Gottes Willen", nämlich die Frage: "Wie muss ich mich entscheiden, um Gott zu gefallen?" Ich denke, hier muss man unterscheiden, welche Schwere die jeweilige Entscheidung hat. Man merkt das meistens selbst: wenn es keine eindeutige Antwort gibt, sondern man nur immer unruhiger und nervöser wird, solange man über die Sache nachdenkt und Gottes Willen quasi aus Ihm "herauskitzeln" möchte, desto wahrscheinlicher ist es, dass Er in diesem Fall neutral bleiben will...

Bei großen Entscheidungen wie der Berufung denke ich, dass hier die Führung durch die Vorsehung im Leben das primäre Kriterium ist, wichtiger, als etwaige Gedanken im Gebet. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Gott einen irgendwann sowieso dorthin führt, wo Er einen haben will, bzw. Er eine ganz klare Eingebung gibt, die Er dann auch durch äußere Zeichen bestärkt. (Z. B.: Ein Ordensmann hat die Eingebung im Gebet, als Missionar nach China zu gehen; eine Woche später kommt plötzlich eine Anfrage, wer aus seiner Gemeinschaft nach China gehen will; trotz auftauchender Schwierigkeiten gelingt es ihm tatsächlich, die Reise anzutreten, und er kommt auch dort an usw.)

Daher denke ich, dass die Berufung, sobald sie gekommen ist, eine recht klare Sache ist, die auch immer wieder bestärkt wird, selbst wenn Hindernisse auftauchen. Natürlich kann es sein, dass jemand die Eingebung einer Berufung hat, die ihn zuerst in Verwirrung und Angst versetzt; hier ist es meiner Erfahrung nach wichtig, erstens mit kompetenten Leuten (vertrauenswürdigen Priestern u. Ä.) darüber zu reden, und zweitens zu versuchen, diese mögliche Berufung wenigstens im Prinzip anzunehmen. So wird klar, ob die Angst aus mangelnder Bereitschaft entstand oder doch nur deswegen, weil man diese Berufung gar nicht hatte.

Natürlich gibt es Situationen - wir haben vor einigen Monaten darüber diskutiert -, wo es scheint, als habe man seiner Berufung den Rucken gekehrt, um einen anderen, ebenfalls gottgefälligen Weg zu gehen. Kann Gott denn tatsächlich einen "Plan B" für den Menschen haben? (Wenn wir an die Erlöungsgeschichte denken, dann ist die Anwort wohl: Auf jeden Fall! ;-))

Ich denke, dass wir einerseits der von uns erkannten Berufung folgen sollten, soweit irgend möglich; aber ich denke auch, dass Gott einfach aus jeder unserer Entscheidungen das Beste herausholen kann (solange wir nicht auch noch im allerletzten Augenblick "nein" zu Ihm sagen) - denn letztlich hat Er ja schon alles vorausgesehen und vorausbestimmt...

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Montag, 10. Dezember 2007

"Tanz der Teufel, 8. Dezember"...

...stand auf einem der Fenster dieses Wiener Lokals.

Tja, dachte ich mir, sollen die Verlierer doch auch ein bisschen ihren Spaß haben...

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Samstag, 08. Dezember 2007

Maria Empfängnis




Der über alle Worte erhabene Gott, dessen Wege Erbarmen und Wahrheit, dessen Wille die Allmacht ist, dessen Weisheit machtvoll wirkt von einem Ende bis zum anderen und in Milde alles lenkt, sah von Ewigkeit her das unheilvolle Verderben des ganzen Menschengeschlechtes infolge der Sünde Adams voraus. In seinem geheimnisvollen, der Welt verborgenen Ratschluß beschloß er aber, das erste Werk seiner Güte durch die Menschwerdung des Wortes auf eine noch unbegreiflichere Weise zu ergänzen. Denn der Mensch, der entgegen seinen liebevollen Absichten durch die List des Teufels in Schuld geraten war, sollte nicht zugrundegehen, und das, was durch den ersten Adam gefallen war, sollte durch den zweiten weit glücklicher wieder aufgerichtet werden.

Darum wählte er von Anfang an und vor aller Zeit schon für seinen eingeborenen Sohn eine Mutter aus, und bestimmte, daß er von ihr in der seligen Fülle der Zeiten als Mensch geboren werden sollte; ihr wandte er mehr als allen anderen Geschöpfen seine besondere Liebe zu und fand an ihr allein sein höchstes Wohlgefallen. So überhäufte er sie weit mehr als alle Engel und Heiligen mit einer Fülle himmlischer Gnadengaben, die er aus der Schatzkammer seiner Gottheit nahm, begnadete sie so wunderbar, daß sie allzeit frei blieb von jeder Makel der Sünde, daß sie ganz schön und vollkommen wurde und eine solche Fülle von Reinheit und Heiligkeit besaß, daß man, außer in Gott, eine größere sich nicht denken kann und dass niemand außer Gott sie begreifen kann.

Und es war auch ganz entsprechend, daß sie stets im Glanze vollkommenster Heiligkeit strahlte, daß sie sogar frei blieb von der Makel der Erbsünde und so über die alte Schlange einen vollen Sieg errang, sie, die verehrungswürdige Mutter, der Gott Vater seinen einzigen Sohn, der aus seinem Schoße ihm wesensgleich hervorgeht und den er liebt wie sich selbst, voll und ganz anvertrauen wollte. So sollte auf Grund natürlicher Bande ein und dieselbe Person das gemeinsame Kind Gott Vaters und der Jungfrau werden. Der Sohn selber aber erwählte sich diese Mutter, und der Heilige Geist wollte und bewirkte, daß der von ihr empfangen und geboren wurde, aus dem er selbst hervorgeht.
(Pius IX.: Bulle Ineffabilis Deus, 1854)

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Mittwoch, 05. Dezember 2007

Nada te turbe...

...nada te espante
quien a Dios tiene
nada le falta
Solo Dios basta.

(Hl. Teresa von Ávila)

In meinem Leben geht's derzeit ziemlich drunter und drüber... Ich bitte um Euer Gebet, dass alles zu dem Ende findet, den Gott will.

Dios sabe más!

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Montag, 03. Dezember 2007

Nachwuchs...

...in der Blogozese: unsere Freunde aus dem Osten kriegen Verstärkung. Herzlich willkommen, Martin!

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Samstag, 01. Dezember 2007

Advent

Der Advent ist - das Warten auf die Geburt des Herrn. Doch während die Welt dem Kommerz nachjagt (und wir - wenigstens ein bisschen - auch mittun müssen, wegen den Weihnachtsgeschenke), sollen wir den Blick auf den Herrn nicht verlieren, der da kommt... Das Kind in der Krippe, dessen Geburt so gar nichts mit romantischer Idylle zu tun hat:

Während wir an Weihnachten – alle Jahre wieder – diese Welt in einen Adventskalender zu verwandeln suchen und uns der Illusion hingeben, schon hier die Geborgenheit des Paradieses im Schoße der Familie finden zu können, lebt der Menschensohn im Herzen des Festes eine ganz andere Realität. „Er kam in sein Eigentum, doch die Seinen nahmen ihn nicht auf … Er ist Fleisch geworden und hat unter uns gezeltet.“ ( Joh 1,11 und 14) Kein Wort von Heimat oder wohligem Daheimsein des Messias bei den Seinen. Er wird in die Heimatlosigkeit hineingeboren, verschmäht von seinem Volk,verfolgt von seinem König, schon als Kind ein Flüchtling. Ja, er schlägt sogar gleich einem Nomaden nur ein Zelt auf und wird keine Ruhe in Israel finden, bis Er sein Haupt auf das Holz des Kreuzes bettet. Das Schicksal des Menschensohnes ist die Heimatlosigkeit.
Nina Heereman

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Spe salvi: Eine tour de force

Ich habe gestern Spe salvi in einem Aufwaschen gelesen, weiß aber nicht, ob ich bereits angemessen darüber schreiben kann. Der Text ist eine regelrechte tour de force, die das Thema von der Hoffnung der frühen Christen bis zum Jüngsten Gericht durchschreitet. Kirchenhistorische Aspekte, etwa die Weltsicht der ersten Christen, verbinden sich mit persönlichen Zeugnissen wie den Erlebnissen der Hl. Josephine Bakhita, des vietnamesischen Bekennerbischofs Kardinal Nguyen Van Thuan oder des ebenfalls vietnamesischen Märtyrers Paul Le Bao Thin. Die Seite der Hoffnung in der persönlichen Frömmigkeit, etwa im Gebet, wird genauso angesprochen wie die kollektive Natur der christlichen Hoffnung, die immer wieder herausgestellt wird.

Für mich am anregendsten war jedoch die Analyse der nicht-christlichen, ja anti-christlichen geistigen Entwicklungen, die zu einem Streben des Menschen nach Selbsterlösung führten. Der Papst führt als Urgrund dieser Ideen einerseits den unbändigen, rein materiell-wissenschaftlichen Fortschrittsglauben an, andererseits das an sich gute Streben nach Gerechtigkeit, das aber den Menschen, der sich von Gott abwendet, eben dazu führt, die Welt selbst "erlösen" zu wollen - was natürlich nicht gelingen kann.

Während andere Passagen zuweilen vielleicht etwas kryptisch, wenn auch nie allzu ausschweifend wirken (etwa die theologisch zweifellos wichtige Diskussion über die richtige Übersetzung von Heb 11,1), berücken die politischen Abschnitte durch ihren klaren Gedankengang und ihre scharfe Sicht, etwa in der Analyse, warum der Marxismus letztlich scheitern musste. Ich glaube, diese Abschnitte sollte wirklich jeder Mensch, unabhängig von seiner Weltanschauung und persönlicher Religion, lesen und bedenken. (Am besten wäre natürlich, wenn alle die ganze Enzyklika lesen, aber ich kann mir eben durchaus vorstellen, dass Nicht-Gläubige bei frömmeren oder theologischeren Passagen irgendwann einmal aussteigen.)

Zum Abschluss eine kleine Kostprobe (aus Pkt. 21):

Aber mit ihrem Sieg wurde auch der grundlegende Irrtum von Marx sichtbar. Er hat zwar sehr präzise gezeigt, wie der Umsturz zu bewerkstelligen ist. Aber er hat uns nicht gesagt, wie es dann weitergehen soll. Er setzte einfach voraus, daß mit der Enteignung der herrschenden Klasse und mit dem Sturz der politischen Macht, mit der Vergesellschaftung der Produktionsmittel das neue Jerusalem da sein werde. (...) Marx hat nicht nur versäumt, für die neue Welt die nötigen Ordnungen zu erdenken – derer sollte es ja nicht mehr bedürfen. Daß er darüber nichts sagt, ist von seinem Ansatz her logisch. Sein Irrtum liegt tiefer. Er hat vergessen, daß der Mensch immer ein Mensch bleibt. Er hat den Menschen vergessen, und er hat seine Freiheit vergessen. Er hat vergessen, daß die Freiheit immer auch Freiheit zum Bösen bleibt. Er glaubte, wenn die Ökonomie in Ordnung sei, sei von selbst alles in Ordnung. Sein eigentlicher Irrtum ist der Materialismus: Der Mensch ist eben nicht nur Produkt der ökonomischen Zustände, und man kann ihn allein von außen her, durch das Schaffen günstiger ökonomischer Bedingungen, nicht heilen.

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