Vor einigen Tagen ist in den Kommentaren
dieses Postings das Thema des Willens Gottes angeklungen.
Vergessen Sie einen Moment, immer nur darauf zu schielen, was "Gott will", sondern holen Sie einmal tief Luft und besinnen Sie sich, was Sie eigentlich wollen. Ganz tief reinhören ins Innere und sich klar werden, was Ihnen jetzt wichtig ist- hieß es da.
Ich musste mir etwas Gedanken darüber machen, was das eigentlich heißt: "was ich will" - "was Gott will". Denn, da ich Gott vertraue, weiß ich, dass Er mir Gutes will - dass Er mich zur ewigen Glückseligkeit mit Sich führen will; und das ist ja auch das, was ich will, nicht?
So gesehen sind für mich die Fragen "was will Gott?" und "was will ich?" fast nicht zu trennen. (Irgendwie erinnert mich die Gegenüberstellung der beiden Fragen an die eine Szene in
House M. D., wo House den Mann einer Patientin fragt: "Wollen Sie, dass Gott sie rettet - oder ich?" Als ob Gott nicht auch durch einen Arzt wirken könnte...)
"Was Gott will" definiere ich daher nicht ausschließlich als aktives "Wollen" (es kann sich auch um ein "Zulassen" handeln, etwa bei Sünde, Unglück und Krankheit), sondern als Gottes Führung und Vorsehung, wie sie sich im Laufe eines Lebens darstellen. Ich denke, "sich dem Willen Gottes fügen" bedeutet in diesem Zusammenhang, dass man die Höhen und Tiefen des Leben annimmt und sowohl im Positiven wie im Negativen Gottes Spuren erkennt. Das heißt etwa, dass man weder bei Erfolg hochmütig wird, noch bei Unglück endgültig verzweifelt (ich meine Verzweiflung als Abwendung von Gott - Trauer, auch Hadern mit Gott ist etwas anderes).
Es heißt, flexibel zu bleiben, sich nicht in den eigenen Vorstellungen zu verhärten, sich der Vorläufigkeit von allem bewusst zu sein. Natürlich sind diese Dinge auch mit dem gesunden Menschenverstand zu erkennen; doch all das ist eben leichter, wenn man seine letzte Hoffnung nicht in das Geschöpfliche setzt. (Ich habe in meinem Leben schon selbst erlebt, welche katastrophalen Folgen es haben kann, wenn jemand z. B. einen anderen Menschen als die Lösung aller seiner Probleme und quasi als seinen "Erlöser" betrachtet.)
Freilich gibt es aber auch einen anderen Aspekt von "Gottes Willen", nämlich die Frage: "Wie muss ich mich entscheiden, um Gott zu gefallen?" Ich denke, hier muss man unterscheiden, welche Schwere die jeweilige Entscheidung hat. Man merkt das meistens selbst: wenn es keine eindeutige Antwort gibt, sondern man nur immer unruhiger und nervöser wird, solange man über die Sache nachdenkt und Gottes Willen quasi aus Ihm "herauskitzeln" möchte, desto wahrscheinlicher ist es, dass Er in diesem Fall neutral bleiben will...
Bei großen Entscheidungen wie der Berufung denke ich, dass hier die Führung durch die Vorsehung im Leben das primäre Kriterium ist, wichtiger, als etwaige Gedanken im Gebet. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Gott einen irgendwann sowieso dorthin führt, wo Er einen haben will, bzw. Er eine ganz klare Eingebung gibt, die Er dann auch durch äußere Zeichen bestärkt. (Z. B.: Ein Ordensmann hat die Eingebung im Gebet, als Missionar nach China zu gehen; eine Woche später kommt plötzlich eine Anfrage, wer aus seiner Gemeinschaft nach China gehen will; trotz auftauchender Schwierigkeiten gelingt es ihm tatsächlich, die Reise anzutreten, und er kommt auch dort an usw.)
Daher denke ich, dass die Berufung, sobald sie gekommen ist, eine recht klare Sache ist, die auch immer wieder bestärkt wird, selbst wenn Hindernisse auftauchen. Natürlich kann es sein, dass jemand die Eingebung einer Berufung hat, die ihn zuerst in Verwirrung und Angst versetzt; hier ist es meiner Erfahrung nach wichtig, erstens mit kompetenten Leuten (vertrauenswürdigen Priestern u. Ä.) darüber zu reden, und zweitens zu versuchen, diese mögliche Berufung wenigstens im Prinzip anzunehmen. So wird klar, ob die Angst aus mangelnder Bereitschaft entstand oder doch nur deswegen, weil man diese Berufung gar nicht hatte.
Natürlich gibt es Situationen - wir haben vor einigen Monaten darüber
diskutiert -, wo es scheint, als habe man seiner Berufung den Rucken gekehrt, um einen anderen, ebenfalls gottgefälligen Weg zu gehen. Kann Gott denn tatsächlich einen "Plan B" für den Menschen haben? (Wenn wir an die Erlöungsgeschichte denken, dann ist die Anwort wohl: Auf jeden Fall! ;-))
Ich denke, dass wir einerseits der von uns erkannten Berufung folgen sollten, soweit irgend möglich; aber ich denke auch, dass Gott einfach aus jeder unserer Entscheidungen das Beste herausholen kann (solange wir nicht auch noch im allerletzten Augenblick "nein" zu Ihm sagen) - denn letztlich hat Er ja schon alles vorausgesehen und vorausbestimmt...
Labels: spiritualia, theologica